Volle Chinesen

Montag, 17.03.2014

Die Bilder sind jetzt angehängt

Nachdem die Fahrt nach Yuanyang eine wahre Odyssee war, verwarfen wir unseren Plan, auf dieselbe Weise zurück zu kommen und fuhren von Xinjie, einem Dorf im Bezirk Yuanyang, direkt nach Kunming. Die Straße war bedeutend besser wie beim Hinweg, keine tiefen Schluchten mehr direkt neben der Straße, und ein Reisebus hat doch einige Vorzüge einem 16-Sitzer gegenüber, aber 8h Fahrt am Stück sind doch irgendwann ätzend. Umso froher waren wir als wir endlich im Hostel angekommen sind und erfuhren, dass sich am nächsten Tag eine Französin gern einen Minivan zum Flughafen mit uns teilen möchte. Gut, das einzige Problem war die Abfahrtszeit: 4:00AM! Also kurzerhand um 3 Uhr aufgestanden, man hat ja eh schon viel zu viel schlaf, da kann man sich ruhig mal eine kurze Nacht gönnen, um nach Shangri-La, die berühmte mystische Stadt, zu fliegen. Dort angekommen traf uns der Schlag. Wie wir schon in den deutschen Nachrichten im Januar gesehen haben, wurden 300 Häuser bei einem Großbrand zu Ruinen. Was wir nicht wussten war, dass unser Hostel nur 5 Häuser von den Ruinen entfernt war. Und dieser Anblick brennt sich ein. Überall Staub, wo eigentlich Häuser sein sollten, ab und an Stümpfe von Holzbalken, die vor wenigen Monaten noch die über 1000 Jahre alten Dächer der Häuser stützen. Auch im Hostel war das Feuer allgegenwärtig: Da die Feuerwehr zum Löschen der Häuser so viel Wasser gebraucht hatte, war das Grundwasser in Dukezhong, so hieß die Altstadt, vollkommen ausgeschöpft. Also gab es weder Wasser zum Duschen, noch konnte das Klo gespült werden. Dafür bemühte sich unser namensloser Hostelbesitzer, den Aufenthalt so angenehm wie nur irgendwie möglich zu gestalten. So war meine Shangri-La-Leibspeise, gebratenes Yak mit Nudeln und Gemüse, wirklich unglaublich lecker, und es war in der Wohnstube einigermaßen warm, da selbst bei dem extrem teuren Holzpreis, die alten Holzhäuser werden natürlich sofort wieder nachgebaut, kräftig eingeheizt wurde.

An unserem ersten vollen Tag hier am Tibet entschlossen wir uns, eine kleine Reise zu den Baishuitai Wasserterrassen zu machen, die schlussendlich zur Geduldprobe wurde. Warum das? Nun ja, der Busfahrer beschloss, auf der jeweils dreistündigen Fahrt pausenlos dieselbe CD mit chinesischen „Popliedern“ zu hören, welche sich interessanter Weise nur durch das Intro unterschieden.

Nach diesen Strapazen entschieden wir uns, kurz im Hostel zu essen, und uns noch eine Massage zu gönnen. Während dem Essen fing unser Hostelbesitzer an, ein Barbecue mit ein paar chinesischen Freunden zu veranstalten. Noch während wir aßen, tranken er und ein anderer Chinese zusammen sieben Bier und als wir ihn nach dem Weg zum nächsten Massagestudio fragten, lallte er uns schon voll. Ja, das Vorurteil scheint zumindest im Westen Chinas doch zu stimmen. Das interessante am empfohlenen Massagestudio war, dass es sich um blinde Massage handelte, d.h. die Masseure waren allesamt blind. Der große Vorteil ist, dass blinde Menschen viel stärkere Sinne hatten und so viel mehr Gefühl in den Händen haben, als Sehende. Der große Nachteil war aber, dass wir uns sowieso fast immer mit Händen und Füßen verständigen und diese Kommunikationsmethode hier flachfällt. Also gab es halt keine Kommunikation und wir konzentrierten uns vollkommen auf die unfassbar schmerzhafte aber dafür sehr entspannende Massage. Noch heute, zwei Tage danach spüre ich genau, wo mein Masseur intensiver massiert hat.

Wieder zurück im Hostel erwarteten uns zwei Extreme: zum Einen trafen wir eine Deutsche mit ihrem chinesischen Freund, die im Outback von Yunnan ihr FSJ als Englischlehrerin macht. Zum andern unseren Hostelbesitzer und seine Mannschaft, die mittlerweile unglaublich betrunken waren. Während wir uns mit der Deutschen intensiv unterhielten, floss am Nachbartisch ein koreanischer Reiswein nach dem anderen und irgendwann konnte man das nüchtern perfekte Englisch des Besitzers nicht mehr verstehen. In diesem Zustand machte er und sein Gefolge sich auf in die nächste Bar. Wir haben ihn nie wiedergesehen, er muss wohl bis in den späten Nachmittag seinen Rausch ausgeschlafen haben.

An unserem letzten Tag und einer weiteren extrem kalten Nacht, man konnte den Atem im Zimmer sehen, besuchten wir Songzanlin Si, ein großes, noch heute bewohntes, Kloster, das mehr oder weniger komplett mit Blattgold belegt ist. Zudem sind die Wände im Innern der einzelnen Räume kunstvoll mit Geschichten und Göttern des Buddhismus verziert.

Die Ruinen von Shangri-La Wasserterrassen von Baishuitai Baishuitai Die faszinierende Quelle Sōngzànlín Sì Wir vor einem der Tempel Ein paar der Mönche