Über Schwein und Huhn

Freitag, 14.03.2014

Als erster wirklicher Stop in China waren die Reisterrassen südlich von Kunming in der kleinen „Stadt“ Yuanyang geplant. Um dort hinzukommen mussten aber einige Vorbereitungen getroffen werden. So kam es dann, dass wir nach erfolgreichem Grenzübertritt in Shenzhen und anschließend 1h Metro im Flieger nach Kunming saßen, um dort zu übernachten. Nun ja, und um die Tickets für den Zug nach Jianshui zu kaufen. Das stellte sich aber als etwas Außergewöhnliches heraus. Der Grund war folgender: letzte Woche geschah in dem Bahnhof von Kunming ein Massaker, bei dem fünf Islamisten über 30 Passagiere töteten und über 120 zum Teil schwer verletzten. Deswegen wurden die Sicherheitsmaßnahmen stark erhöht, sodass ich, nach Pass- und Körperkontrolle, von schweren Maschinengewehren und mannshohen Schlagstöcken beschützt, zum Ticketschalter gelangte.

Nach diesen Strapazen und einer kurzen Nacht im Hostel konnte es auch schon losgehen. Zuerst mit dem Zug nach Jianshui von wo es mit einem 16-sitzigen Minibus zu den Reisterrassen ging. Man könnte meinen, so eine Fahrt mit dem Minibus ist nichts spektakuläres, doch in den Passstraßen ist es das. Es ging auf der einen Seite so steil hoch, dass man keine Chance hat, auszuweichen und auf der anderen Seite ging es ca. 500-1000m runter, ohne Sicherung. In Deutschland würde man in so einem Fall wahrscheinlich mit 20km/h und höchster Vorsicht solche eine Straße befahren, in China jedoch wird hier, auf einer unbefestigten Straße telefonierend in der Kurve überholt. Nach dieser Fahrt und 6h Todesangst, zumindest bei Alex, ich war eher am Dauerlachen, da die unangeschnallten Fahrgäste bei jeder Bodenwelle synchron von ihren Sitzen katapultiert wurden, kamen wir endlich in Yuanyang an. Und das war bombastisch. Lauter kleine Dörfer, wo Frauen in Hani-Kleidung umherirrten und ihre Felder bestellten. Das Volk der Hani ist die Minorität, die das Land um Honghe besiedelt. Unser Hostel befand sich in einem dieser kleinen Dörfer und so mussten wir uns auf dem Weg dahin an einem Schwein und diversen Hühnern vorbeidrücken, welche auf dem Weg schliefen. Das Hostel ist eine Familie, in die man mit dem Check-In aufgenommen wird. So wurden wir mit lauter lokalen Köstlichkeiten versorgt, meistens von „der Oma“ welche mit uns lachte, obwohl eine der Seiten kein Wort verstand.

An unserem vollen Tag entschieden wir uns zu einer 10km langen Wanderung durch die Reisterrassen, um ein bisschen abseits von den Touris zu sein. Das hat sich auch gelohnt, denn unsere Mittagspause machten wir auf einer Klippe weit über den Reisterrassen, die nur zu Fuß erreichbar war und uns den Atem verschlug. Nach unserem reichhaltigen Mittagessen bestehend aus Orangen und einer Wassermelone vom lokalen Markt ging es weiter zum schweißtreibenden Aufstieg bei 28°C.

Nach einer unglaublich billigen Fahrt zum Hostel (ca. 0,60€ für 30min Fahrt), man wird ja mutiger und steigt einfach in private Minivans, und einer kurzen Nacht mussten wir schon wieder los und wurden von der kleinen Oma noch zum Abschied umarmt, Stichwort Familie.

Blick vom Zimmer Eine Reisbäuerin beim balancieren Alex auf der Klippe Flo an der Klippe Ein Feldarbeiter der besonderen Klasse