Tucking the Wats

Freitag, 20.03.2015

Nachdem Air Asia uns sicher und komfortabel in Kambodscha ankommen ließ, wollten wir eigentlich nur noch über die Grenze und heim. Dies stellte sich aber als gar nicht so leichtes Unterfangen heraus, da wir noch vor dem Terminal angehalten und zum Ausfüllen eines „Health Check“ Fragebogens aufgefordert wurden. Dieser war im Endeffekt länger als unsere kompletten Einreiseunterlagen, welche man ja schon im Flugzeug ausfüllen kann und so kam es, dass ein komplettes Flugzeug um 2 Tische gekauert stand, und diesen Zettel ausfüllte. Nach dieser eher unnötigen Kontrolle, der Zettel wurde nicht mal angeschaut, wurden wir vom Fahrer unseres Hostels im kambodschanischen Stil heimgefahren, also im Tuk-Tuk. Dieses Hostel entpuppte sich als wahrer Traum! Es gab einen Pool, den man bei über 35°C auch bitter nötig hat, einen kinderreichen Besitzer, dessen Sprösslinge auch mal vor der Schule um 6Uhr morgens den Pool schrubbten und ganz wichtig: wenigstens einen Ventilator im Zimmer, der jedem den halben Rücken im Ansatz gekühlt hat. In diesem Traum angekommen machten wir uns am ersten Tag auf in Richtung Stadt. Wie? Mit Fahrrädern! Man könnte meinen, dass dies ziemlich gewagt ist in solch einem Land, aber wenn man einfach fährt, niemals anhält und am besten nicht nach hinten schaut, bekommt man von dieser Gefahr wenigstens nichts mit. Die Stadt an sich hat eigentlich nicht viel zu bieten, ist sie doch aus dem einzigen Grund gebaut worden, Touristen eine Bleibe zu bieten, in der sie sich vor und nach ihrem Trip nach Angkor erholen können. So haben wir einen der Touri-Tempel angeschaut und wollten eigentlich schon wieder heim, da entdeckte ich einen Barbier. Man könnte ja schon davon ausgehen, dass in einer Touristenhochburg wie Siem Reap die Shops an Ausländer gewöhnt sind, aber hier ziehen sich die Parallelen zu China: Kaum saß ich, stürmte so ziemlich das ganze Personal zu mir, machte Fotos, … Hier ist nicht der Kunde der König, sondern die Sehenswürdigkeit.

Für die nächsten zwei Tage, die auch die heißesten Tage unseres Lebens wurden, sollte es in den Angkor Komplex gehen. Dazu mieteten wir, ganz im Sinne der Khmer, ein Tuk-Tuk von unserem Hostel, gefahren von einem der vermeintlichen Sprösslinge. Am ersten Tag machten wir uns schon um 5Uhr auf, denn wir hatten Großes vor: den Sonnenaufgang bei Angkor Wat anschauen. Dieses Event hatte etwas Mystisches: Man wird von seinem Fahrer irgendwo im nirgendwo im stockdunkeln herausgelassen und läuft, gemeinsam mit einem kleinen Pulk durch uralte Tempelanlagen, bis sich plötzlich alle auf eine Mauer setzen. Den Grund des Setzens sieht man noch nicht, da es hier, mitten im Dschungel, komplett finster ist. Als es nach und nach immer heller wurde, erkannte man dann vor einem thronend, Angkor Wat! Als dann die Sonne aufgegangen war, ging es erst richtig los. Massen von Touristen wurden zu dieser Hauptsehenswürdigkeit gekarrt und noch viel größere Massen kamen uns entgegen, als wir alles angeschaut und schon wieder bei unserem Tuk-Tuk waren, bereit, weit vor allen anderen zum nächsten Tempel der riesigen Anlage gefahren zu werden. Diese Tuk-Tuk Fahrten waren immer eine willkommene Abwechslung, denn, ob man es glaubt oder nicht, föhnte einen der Fahrtwind immer bis zum nächsten Tempel wieder einigermaßen trocken und frisch. Bestimmt hatte der König damals nach diesem Kriterium seine Anlagen in genau diesem Abstand bauen lassen. Die inneren Tempel unterschieden sich kaum, waren sie doch alle in einem Zeitraum von 100 Jahren gebaut und auch überall spielten ähnlich junge Kinder dieselbe Musik, was hier trauriger weise lukrativer erscheint, wie sein Kind zur Schule zu schicken. Nach solch einem Tag musste es dann erst mal an den Pool gehen, und ein leckeres Essen, die Khmer kochen sehr würzig aber überhaupt nicht scharf, konnte man natürlich auch nicht ausschlagen. Am zweiten Tag konnte man dann endlich mal wieder ausschlafen, denn wir fuhren erst um 7 Uhr los. Vorbei ging es dieses Mal an Angkor Wat und dem Inner Circuit und hin zu der äußeren Anlage. Diese bestand aus vielen einzelnen Tempeln, deren vielen Stufen man natürlich immer wieder aufs Neue erklimmen musste, und das bei fast 40°C! Wirklich interessant waren hier jedoch auch die chinesischen Tourgruppen. Diese hatten wir am ersten Tag kaum zu Gesicht bekommen, da wir ja schon zum Sonnenaufgang da waren, aber am zweiten Tag wimmelte es nur so von ihnen. Und diese wurden doch tatsächlich in großen Reisebussen angekarrt, die einzigen, die nicht mit den Tuk-Tuks da waren, und ließen sich in der prallen Sonne in Anzugshose und langärmligem Shirt von ihrem Guide jedes Detail der Tempelanlage erklären. Und natürlich musste jeder Mal mit jedem vor jedem Tempel fotografiert werden. Als wir den äußeren Ring auch durch hatten, ging es mit unserem Tuk-Tuk zu etwas recht besonderem. 29km nördlich von Angkor Wat liegt eine Tempelanlage, die nochmal 100 Jahre älter ist, als die ältesten Tempel der Angkor Gruppe, genauso alt wie die Kukulcán Pyramide. Dieser alte Tempel hatte eine aufwendige Verzierung an den Außenwänden, die einfach atemberaubend war. Ich denke, die Bilder werden da genug sagen.

Wieder daheim trafen wir abends eine relativ alte Frau aus Massachusetts, welche sich einfach so ganz allein in einen Flieger nach Hanoi gesetzt hat und jetzt ein bisschen durch Südostasien reist. Das dies funktioniert ist echt erstaunlich, kennt man sich doch eigentlich als Ü60 nicht so wirklich gut in Südostasien und vor allem in Hostels dort aus. 

Unser Fahrer Angkor Wat Angkor Wat ... Einer der Türme Die Sonne Einige Störenfriede Eine der Wasserstraßen, für die Steine Der Beschützer der Wats Aufwendige Wandverzierung Unserer Fahrer, im Pulli bei 40° Ein Tempel Schon über 2000 Jahre alt ... und hält nicht mal das Lot Auch Pflanzen finden sich hier Sogar Blüten Ein Tempel #2 Und sogar Tiere finden sich hier