Orangensaftüberschuss

Mittwoch, 18.03.2015

Zum dritten Mal war es jetzt wieder so weit: es geht nach Asien! Dieses Jahr gibt es jedoch eine kleine Veränderung zu den Jahren zuvor: nachdem wir China mittlerweile gründlich erkundet haben, mal frierend, mal schwitzend, gönnen wir uns dieses Jahr etwas, das mehr einem Dampfbad in der deutschen Therme gleicht, als einem wirklichen Reiseziel: Thailand, Kambodscha und Laos stehen dieses Jahr auf dem Programm. Nach einem recht angenehmen Flug mit Vietnam Airlines, bei dem ich wie immer Unmengen an Orangensaft getrunken habe, sodass die Stewardess mir zum Frühstück eigenständig welchen einschenkte, begaben wir uns in Bangkoks Nahverkerssystem. Besser gesagt: In den Kampf mit Bangkoks Nahverkehrssystem. Denn anders als in chinesischen Städten, in denen man auf Busse setzt, hat man hier sofort das Problem Stau erkannt und setzt auf Boote. Die einzige Chance zu unserem Hotel zu kommen, bestand also aus einer halbstündigen Fahrt in einer Nussschale zusammen mit bis zu 100 anderen Mitfahrern, die in rasantem Tempo über die übelriechende Kloake Bangkoks geschifft wurden. Der Ein- und Ausstieg war dabei jedoch das größte Problem: Da das Boot so schnell wie möglich sein sollte, wird auf ein kompliziertes Anlegeverfahren verzichtet, man fährt einfach nur an das Pier und die Fahrgäste müssen über den mal großen und mal kleinen Spalt zwischen Boot und rettendem Ufer irgendwie selbst gelangen. Doch dafür kommt man für unter 1,50€ einmal Quer durch Bangkok, und das ohne Stau (eigentlich schade, die Hauptattraktion der Stadt zu umgehen). Blieb nur noch die Frage, was man am ersten Nachmittag in einer Stadt wie dieser machen soll. Die Antwort auf diese vermeintlich schwere Frage fiel mir relativ einfach: Man macht sich einen maßgeschneiderten Anzug! Denn diese sind in Bangkok billig wie schön. Da ich mich schon im Vorfeld erkundigt habe, welcher Schneider es werden soll, ging es direkt zu ihm und die Fragerei sollte losgehen. Was soll es für ein Stoff sein? Und für die Hose? Soll es noch ein Hemd sein? Oder zwei? Nachdem diese Fragen alle beantwortet wurden, ging's zum Messen und bestellt war der Anzug! Also nichts wie heim, was mit dem vorletzten Boot grade noch so gut ging, und ab ins Bett. Kaum brach der nächste Tag an stellte sich schon die wichtigste Frage des ganzen Tages: Was sollen wir Frühstücken? Nachdem wir in China ja unangenehme Erfahrungen mit der morgendlichen Nudelsuppe gemacht haben, gingen wir hier in Bangkok direkt auf Nummer sicher und gönnten uns Köstlichkeiten aus dem nächsten 7-Eleven. Man könnte meinen, Supermärkte seien in Bangkok eine Rarität, wie z.B. in Beijing, aber nein, alleine auf unserem kurzen Fußweg zum Steg passierten wir jeden Morgen ganze drei 7-Eleven! Gestärkt ging es dann sofort auf den kühlenden Trip mit dem Boot und weiter mit einem Bus in Richtung Floating Market. Der Floating Market besteht aus vielen kleinen Booten, die, in der Brache schwimmend, Essen zubereiten und verkaufen. Hier gibt es jede erdenkliche Köstlichkeit des Fernen Ostens: Vom Mini-Pancake mit gemahlenen Shrimps über frittierte Maden bis hin zu diversen gekochten Chillis kann man sich hier alles antun. Jedoch wurde es, gerade zwischen den Booten, ziemlich heiß, sodass wir uns recht schnell wieder in den klimatisierten Bus gerettet haben. Mit dem ging es los zu den Tempeln. Und wenn Bangkok eines im Überfluss hat, dann sind das diese netten, riesigen Tempelanlagen, die auch noch so anders sind, wie die uns bekannten chinesischen. Um dem Buddha, der hier die zentrale Rolle spielt, genügend Respekt zu erweisen, muss man einige Dinge beachten. Man könnte ja meinen, Religionen wären ansatzweise dem Klima der Region angepasst. Aber nein, selbst hier und bei schwülen 35-38°C muss man in langer Hose den Tempel betreten. Am dritten Tag konnte dann aber die kurze Hose ausgepackt werden, denn es ging in die Innenstadt! Diese ist aufgeteilt in ein Business-Viertel, welches direkt in die Nacht- bzw. Nacktszene angrenzt. Es ist schon leicht befremdlich, mit Spiegelreflex bewaffnet zur nächsten Sehenswürdigkeit zu laufen, während unmittelbar neben einem ältere Herren in Häusern verschwinden, die mit „Sexy Boys“ oder „Best Boys in Bangkok“ werben. Während wir durch eine dieser Gassen, im Gespräch vertieft, schlenderten, pirschte sich ein Thai von der Seite an uns heran und begrüßte uns mit (Zitat): „Hobt se scho alles?“. So kam es also, dass wir einen in Linz geborenen Thai trafen, der mittlerweile als Schlepper für ein Touristenbüro in Bangkok arbeitet. Irgendwie ein downgrade. Wieder daheim und endlich im Bett diskutierten wir, wie wir den nächsten Tag am besten überstehen können. Es sollte nämlich um 4Uhr morgens mit dem Taxi zum Zug und mit diesem zur Grenze gehen. Da kam mir die Idee: „Hey, wir könnten doch mal schauen, ob es noch spontan billige Flüge gibt!“. 18h später war dann auch schon das Boarding und wir flogen nach Siem Reap.

Der floating Market Einer der größten Tempel Bangkoks Der Tempel biegt sich unter seinem Gewicht Blick auf dem Fenster einer Stupa ... Auch in Thailand wird mit viel Liebe zum Detail verziert Im Kontrast ein chinesischer Tempel Unser geliebtes Klong Boat Huch, ein Roboter! Selbst in Bangkoks Innenstadt leben ca. 1,5m große Leguane