In den Hinterhöfen der Bai

Donnerstag, 31.01.2013

China ist schon witzig. Da das ganze Land in der gleichen Zeitzone ist, kann es hier schon mal passieren, dass die Sonne erst um 8Uhr aufgeht, anstatt um 7Uhr wie in der Stadt davor. Deswegen kam es so, dass ich kaum aus dem Zug erstmal total verwirrt im Dunkeln stand und meinen IPod für kaputt erklärt habe, da er schon halb 8 zeigte. Doch das war alles vergessen, als ich dann in meinem Zielort, eine schlappe halbe Stunde mit dem Bus weg vom Bahnhof, einen atemberaubenden Sonnenaufgang erleben durfte. Danach ging es dann ins Hostel, welches zu den Top 3 Asiens gehört. Sieht man mal von der Tatsache ab, dass das Zimmer keine Heizung hat und ich so bei Minusgraden eine Dusche nehmen durfte, hat es diesen Status auch verdient. Allein schon wegen der Tatsache, dass man dort Elektroroller ausleihen kann. Das fand ich ja schon in Guilin faszinierend, wie jeder mit so einem Roller durch die Gegend gefahren ist, also warf ich meinen Tagesplan beiseite und flitze los. Man könnte ja meinen, dass die Roller, da man sie auch ohne Führerschein fahren darf, höchstens 20 oder 30 fahren. Falsch, mein Roller beschleunigte ohne Probleme auf 50 und da wären sicher auch noch 60 drin gewesen, aber dann wäre ich jetzt nichtmehr hier und könnte davon berichten. Meine Tour ging an dem Er Hai See entlang durch viele kleine Dörfer, in denen die Menschen noch ganz bescheiden leben. In einem dieser Dörfer wurde zum Beispiel gerade ein Haus gebaut, also versammelten sich alle Einwohner und halfen, Ziegel auf Ziegel zu setzen. Ausserdem war man so weit weg vom Tourismus, dass man von den Bewohnern wirklich freundlich empfangen wurde. Nachdem mein Trip zu Ende war, ich irgendwie überlebt hatte und dabei war, durch die wunderschöne Altstadt von Dali, welche mit kleinen Bächen verziert ist, zu laufen kam ich an einem Frisör vorbei und sofort war mir klar: ein neuer Haarschnitt muss her. Ich hab mich in jeder Stadt bisher geweigert, zum Frisör zu gehen, weil es alles so unseriös aussah, aber hier stand der einzige Mann Chinas vor mir, der einen Anzug trägt und Haare schneidet, also musste ich es einfach tun. Nach einem kurzen Blick auf mein Passfoto fing er an wie wild rumzuschnipfeln. Das perfekte Ergebnis sieht man in den Bildern.

Am nächsten Tag machte ich eine Tour vom Hostel mit, in der man in einem Minivan um den ganzen See fährt. Dort lernte ich Sui, Duzhen und Ben kennen, 3 Chinesen die sich mit Freude dranmachten, mir mal die Richtigen Seiten von Dali zu zeigen. Die Häuser hier sind schon atemberaubend, so riesig und mit einem unfassbar schönen Innenhof. Und die Leute luden uns einfach ein, einzutreten. Nach diesem Trip luden mich die drei auf ein Essen in einem echten lokalen Restaurant ein, dessen Besitzer der Nachfahre von dem König der Bai, das ist eine Bevölkerungsgruppe, die um den See lebt, ist. Es gab alles Mögliche was auf den Feldern in Dali angebaut werden kann. Und Bier aus der Stadt, welches fast schon besser ist als deutsches. Insgesamt war es ohne zu übertreiben das beste Essen, das ich je hatte.

Am letzten Tag wollte ich eine Wanderung auf den Bergen machen. Als die Chinesen davon hörten meinten sie, dass das viel zu gefährlich sei und sie mitkommen müssen. Gut ein bisschen Gesellschaft ist ja schön und es war wirklich lustig. Doch ich wusste, ich muss auf meinen Zug, da es der letzte des Tages ist. Sie lachten nur und meinten „Take it easy!“ Das Resultat war dann, dass ich mit Duzhen, der auch nach Lijiang wollte, am Bahnhof stand, den Zug verpasst habe und wir den Bus nehmen mussten. So wurden aus 1,5h bequemer Zugfahrt 4h Busfahrt über Stock und Stein. Und natürlich wussten wir beide nicht, wo uns der Busfahrer rauslässt, aber hey, take it easy!

 

Das ganze war jetzt doch recht negativ geprägt, aber mein Aufenthalt in Dali war fantastisch!

Mein Flitzer Die 50 waren locker drin Ein Dorf Der See Der Eingang für ein Fußballfeld Bisschen deformiert Blick von der Straße weiter oben Die Berge und die drei Pagoden Einer der Bäche durch Dali Ein Tempel Ausblick am Abend Sonnenuntergang Mein neuer Haarschnitt Von vorne Eine Köstlichkeit gefüllt mit Honig und einer braunen Pampe Das Dorf am Straßenbau 2m weiter liegen die Innereien... Reisteig, echt lecker! Einer der Innenhöfe Zerstört in der Kulturrevolution Würste zum trocknen Hier erkennt man noch das ehemalige Gemälde Käse am Luftreifen Ein Feuer das eine Bai-Hochzeit signalisiert Vögel die zum Fischen gezüchtet sind Wer diesen Tanz nicht kann, darf bei den Bai nicht heiraten Fischerboot Ein Fischer beim einholen des Netzes Ein Baum im Wasser Dieses Dorf lebt nur vom Fischen Eine Berühmte Insel Die einzige Fähre Selten so viele Vögel gesehen Einer der Vögel Tempel auf einer Insel Typische chinesische Brücke Panorama vom See Ausblick beim Wandern Der See von oben Die Berge, unser Ziel