Die Stadt, in der der Trip seltsam wurde

Sonntag, 23.03.2014

Nach Chengdu, einer Stadt, die ich schon gesehen habe und die ohnehin recht westlich ist, machten wir uns auf in eine völlig neue Welt: die Wüste Gobi. Also mal wieder in den Flieger, im Gegensatz zu früher, wo fliegen ein Highlight war, ist es mittlerweile irgendwie zu einer Art Rouine mutiert und ab nach Dunhuang, einer muslimisch geprägten Stadt in der Wüste. In Shangri-La deklarierten wir den Flughafen noch als klein, weil unser Flugzeug einfach auf der Startbahn drehte und zu einer der fünf Gates fuhr. Dunhuang dagegen ist noch bedeutend kleiner. Hier hat es keine Gates. Alles was es gab war ein kleines Feld vor dem Flughafen, wo unser Flugzeug als einziges parkte und ein Wagen mit Treppe. Also konnte man einen schönen Spaziergang auf dem Rollfeld zurücklegen zum Ein- und Ausgang. Der „Shuttle-Bus“ vom Flughafen war natürlich der Größe des Flughafens angepasst und so fuhren wir im Minivan Richtung Innenstadt, wo uns ein netter Chinese von unserem Flug die Richtung zu unserem Hostel zeigte. Dort angekommen kam dann der Schock: Vom Hostel war nicht viel mehr übrig als die Fassade, im Inneren türmte sich der Bauschutt. Leider waren wir in einer chinesischen Touristadt, also waren die gut ausgeschilderten Hotels nicht zu bezahlen. Ich wusste noch von einem einzigen Hostel, das zum gleichen Besitzer gehört, dem scheinbar sowieso die halbe Stadt gehört, überall tauchte sein Name auf, aber das war eine gute Stunde zu Fuß außerhalb. Aber wir erinnerten uns, dass der nette Chinese einer anderen internationalen Backpackerin den Weg zu ihrem Hostel gezeigt hat. Also nochmal zurück zum Ausgangspunkt und in die Richtung gelaufen, in die die Beiden davongezogen sind. Vielleicht hatte Alex doch Recht als sie meinte, wir sollten drei 1,5l Flaschen Wasser mitnehmen, falls wir verloren durch die Wüste reiten müssen? Nach einiger Zeit erreichten wir das Silk Road Hotel, welches früher wohl das Drehkreuz von Dunhuang war, momentan aber komplett ausgeräumt wurde. Im Innern fanden wir eine verlorene Rezeptionistin, die wir Kurzerhand um Internet anpumpten und von ihr auch ohne Probleme bekamen. Es funktionierte jedoch nicht. Und wie macht man der Guten, die kein Wort Englisch spricht, klar, dass man ein Hostel für die Nacht sucht? Da kam der Gedankenblitz: Ich hatte ja noch meine Hostelling International Card, welche ich in China erworben hatte und demnach auch die chinesischen Zeichen für HI aufgedruckt waren! Mit diesem Hilfsmittel, wusste sie was wir wollten und zeigte uns den Weg zum Hostel, welches jedoch eher Hostelling Regional als Hostelling International war, denn niemand sprach wirklich Englisch mit uns. Doch das war uns egal, wir wollten hier ja nur schlafen. Dass daraus noch viel viel mehr wird, hätte beim Einchecken noch keiner von uns gedacht. Denn schon an diesem Abend nach einem wunderbaren Abendessen in einem lokalen Restaurant (welches noch nicht zu hatte, im Gegensatz zum Café des Besitzers unseres ehemaligen Hostels, von dem wir eigentlich alle Informationen für unsere Wüstentouren beziehen wollten) welches aus lokalen, von Hand gezogenen Nudeln, Lanzhou Lamian, und diversen beigekochten Sachen bestand, trafen wir zwei namenslose Chinesinnen und einen Taiwanesen bei einem kleinen Billardspiel. Diese luden uns ein, mit ihnen am nächsten Tag eine vom Hostel organisierte Wüstentour zu machen. Die eine, eine Deutschstudentin an der Tongji Universität Shanghai, welche uns am Anfang noch sehr schüchtern in sehr brüchigem Englisch einlud, wurde zusehends mutiger und besser. So hatten wir noch ein paar Stunden nette Diskussionen und saßen am nächsten Tag voller Vorfreude im Minibus.

Während dieser typisch chinesischen Tour, also viele Sights in viel zu wenig Zeit und ein Fahrer, der eher die Reinkarnation des Todes darstellte, wenn man nach seinem Fahrstil geht, sahen wir zum einen die große Filmstätte von Dunhuang. Hier wurden die Wüsten- und Altstadtszenen aller großen China/Hongkong Produktionen gedreht, sowie einige Asienszenen aus Hollywood. Der Detailreichtum war überwältigend! In den Häusern stand Essen aus Plastik auf den Tischen, das auch zur jeweiligen Dynastie passte (zum Beispiel Bauze, gedämpfte und gefüllte Teigtaschen) und für einen Buddha wurde extra eine berühmte Künstlerin Chinas hinzugezogen, die die Buddhas aus den Mogao Grotten nachempfinden sollte. Nach diesem Stop ging es weiter in die Wüste, vorbei an karger Kieswüste auf einer unendlich langen geraden Straße. Bis wir bei Grotten gefüllt mit steinalten Buddhas hielten. Mit steinalt ist gemeint 1000+ Jahre. So alt also, dass sich an den Wandmalereien die Hautfarbe von gelb zu schwarz änderte. Dank unseren chinesischen Freunden erhielten wir auch hier nach langer Diskussion, ist immer gut, Kontakte zu haben, den chinesischen Studentenrabatt und konnten ihr staunen live miterleben. Im Gegensatz zu Deutschland staunt man hier nämlich nicht leise, nein, bei jedem Satz unseres Guides ging ein lautes „ooooh“ oder „aaaaah“ durch den Raum.

Nach  weiteren 70km, wir haben inzwischen die Straße verlassen und rasen quer durch die Wüste auf unbefestigten Pfaden erreichten wir unser Hauptziel: Das Ende der chinesischen Mauer, umringt von unzähligen interessanten Steinen mitten in der Wüste! Noch viel mehr als letztes Jahr waren wir erstaunt, wie die Chinesen solch ein Werk vollbringen konnten. Kurz vor dem Sonnenuntergang, dank Mao und dem tollen Kommunismus mit seiner 0% Arbeitslosenquote ist man ja nichtmehr wirklich motiviert, länger als nötig zu arbeiten, drehten wir um gen heim. Dort angekommen wurden wir von unseren neuen Freunden, dem ganzen Minivan, selbstverständlich zu diversen Tätigkeiten am nächsten Tag eingeladen. Doch wir hatten größeres vor. Und zwar brauchten wir ja leider noch Zugtickets für eine kleine 14-stündige Überfahrt nach Lanzhou. Nach dieser Shoppingtour, für die 1133km zahlt man hier übrigens nur 17€, machten wir uns auf zur Hauptattraktion, den Echoing Sand Mountains. Diese sind riesige Dünen, bestimmt 50 Meter hoch, in deren Mitte eine kleine Oase mit Tempel liegt. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass der Aufstieg so unglaublich anstrengend werden kann. Denn auf solch eine Oase bekommt man den besten Blick natürlich von ganz oben. Und wenn man bei jedem Schritt aufgrund der extremen Steigung immer fast schrittweit zurückgeworfen wird, ist dieser Blick nur mit großer Anstrengung zu erreichen. Gelohnt hat sich der Aufstieg mindestens für den Abstieg! Denn bei Dünen, vor allem diesen mit über 100% Gefälle, hebt man, wenn man rennt, immer für längere Zeit vollständig vom Boden ab. Das Gefühl dabei lässt sich am besten durch Fliegen beschreiben!

Die Bautse So wollten es die Chinesen haben, das Bild Wüste Wir vor der WüsteDie Reste der MauerInfinityDer verpasste SonnenuntergangDie Oase in der SandwüsteVon obenWilde EselMan versucht sich an der ChinesenhockeJa, das war wirklich so steil!Der Kamm einer Düne