Die Erfahrung, mal wieder Deutsch zu reden

Freitag, 15.02.2013

Nachdem ich jetzt immer allein unterwegs war und deswegen nie mein Name irgendwo aufgetaucht ist, muss es jetzt eine kleine Änderung geben. Denn in Shanghai ist Alex wie geplant, von 2,5h Verspätung mal abgesehen, zu mir gestoßen. Wir schreiben jetzt bis März immer im Wechsel oder zusammen die Einträge und damit es nicht zu kompliziert wird, kommen jetzt doch mal Namen vor.

 

Flo:

Bevor ich Alex vom Flughafen abholen konnte, musste ich ja erst selbst nach Shanghai kommen. Die Frage ob Zug oder Flug hat sich bei der Strecke Chengdu – Shanghai schnell gelöst, denn ich müsste 2600km im Zug sitzen. Das wären nonstop 37h. Was ich jedoch nicht bedacht hatte war, dass es Chinese New Years Eve war und so flog ich abends über ein riesiges Meer aus Feuerwerken. Noch dazu war kein Wölkchen am Himmel und so hatten wir auf der maximalen Flughöhe, die für den besonderen Anlass extra nur 5km war, die Illusion einer glitzernden Erde. Da ganz China an Neujahr zuhause ist, hatte ich das Flugzeug ziemlich für mich allein und so entschied sich dann ein Steward, man hat ja sonst nichts besseres zu tun, sich neben mich zu setzen und eine 2h Unterhaltung zu beginnen. Michael, so hieß der Steward, gewidmet nach dem großen Michael Jordan, welcher hier als so was wie der neunte große Bodhisattva verehrt wird, meinte, wir hätten ja so Glück, dass wir im Spring-Festival-Rush nach Shanghai gehen, sonst wäre Shanghai deutlich voller. Gut, wenn das stimmt, dann möchte ich wirklich nicht im normalen Shanghai sein. Hier durfte ich dann auch gleich meine ersten Bekanntschaften mit den Schiebern machen. Professionelle Angestellte der Metro, die nur aus dem Grund da sind, auch noch den letzten Menschen in die überfüllte Metro zu pressen.

Dann, nach einem wunderschönen Ruhetag, man muss ja nicht immer irgendwas anschauen, ging es los, um Alex abzuholen. Da ihr Flug planmäßig um 7Uhr ankommen sollte schnappte ich die erste Metro um 5:30 um die erste MAGLEV, die Magnetschwebebahn, die mit 430km/h der schnellste Personenzug der Welt ist, zu bekommen. So stand ich Punkt 7Uhr in der Departure Hall und durfte feststellen, dass der Flug um 2h verspätet ist. Warten ist man in China sowieso gewohnt, also setzte ich mich erst mal zu einem gemütlichen Frühstück hin und siehe da, nach 2,5h war das Flugzeug auch „schon“ angekommen. So konnte ich endlich in den Genuss kommen, mit wie viel Elan und Vorfreude man nach 12h Flug sein kann, als ich mit einem fantastischen „Mmmmh Hallo...“ begrüßt wurde.

 

Alex:

Das erste Erlebnis nach meiner um zwei Stunden verspäteten Ankunft in Shanghai war die MAGLEV, welche eine Höchstgeschwindigkeit von 431 km/h erreicht hat. Nicht nur für technisch interessierte Menschen ist das etwas wirklich besonderes, auch ich war fasziniert. Zum einen natürlich wegen der riesigen Geschwindigkeit, aber auch weil es außergewöhnlich ist, nicht auf Schienen oder Rollen zu fahren.

Von unserem Hostel war ich positiv überrascht: Ich hatte mich auf schlimmste asiatische Zustände und Sauberkeitsnormen vorbereitet, das Zimmer war aber eher westlich geprägt. Zwar sehr klein, wir brachten kaum unsere beiden Rucksäcke auf dem Boden unter, jedoch wirklich modern und sauber. (Westliche Toiletten sind im Übrigen nicht als Standard zu sehen, die chinesischen bestehen lediglich aus einer in den Boden eingelassenen Schüssel – ziemlich gewöhnungsbedürftig...)

Diesen ersten Tag nutzten wir noch dazu, eine der bekanntesten Plätze der Millionencity anzuschauen, den Bund. Das ist eine Uferpromenade, von der aus man die Skyline des modernen Stadtteils Pudong sehen kann. Wenn man sich durch die Menschenmenge bis nach vorne durchgekämpft hatte, konnte man den, vom nebligen Wetter jedoch ein wenig getrübten, Blick genießen.
Der zweite Tag war genau diesem Stadtteil gewidmet. Um dorthin zu kommen, wollten wir den Sightseeing Tunnel nutzen, der unter dem Fluss durchführt. Man sitzt in einer Seilbahn, die sich horizontal bewegt und an die Tunnelwände werden futuristische Farbeffekte projiziert. Am Ausgang war schon der pinke Oriental Pearl Tower zu sehen. Nach gut einer Stunde anstehen konnten wir hochfahren. Die Aussicht war nicht übertrieben spektakulär, also wollten wir wieder nach unten fahren. Unerwarteter Weise stießen wir auf eine Aussichtsplattform, die Glasboden hatte. Man konnte also senkrecht bis ganz unten sehen! An diesem Tag haben wir uns von einem anderen Wolkenkratzer auch die Stadt von oben angesehen, dieses Mal im Dunkeln. Der Ausblick des Oriental Pearl Towers konnte aber nicht mehr getoppt werden; man sah nur durch kleine durchsichtige Platten ein wenig nach unten. Trotzdem war der Blick auf so viele Hochhäuser einfach einmalig!

Mein erster Besuch in einem chinesischen Tempel war begleitet von dem übertriebenen Geruch der Räucherstäbchen, die alle dort kaufen und anzünden. Auffallend war auch, dass die Menschen vor jeder Statue niederknieten und sie anbeteten. Wir sind uns nicht sicher, ob sie Eintritt zum Tempel bezahlen um beten zu können, oder ob sie den Tempel touristisch besuchen aber vor Ehrfurcht niederknien.

Dass Männer durchaus eine kindliche Seite haben könne, durfte ich an unserem letzten Tag feststellen. Wir besuchten den botanischen Garten, der leider im Winter nicht ganz so schön aussah wie im Sommer. Deshalb mussten wir unseren persönlichen Schwerpunkt auslagern: Aufs Tretbootfahren. Flo ließ sich nicht davon abbringen und so waren wir augenscheinlich die einzigen Touristen, die sich bei kalten, eher trübem Wetter ein Tretboot mieteten – für 3 Euro pro Person – und eine Dreiviertelstunde über das kleine Gewässer tuckerten.

Ich habe bei unserem 5tägigen Aufenthalt in Shanghai schon einiges über die Kultur und das Leben hier gelernt:
a) Der Straßenverkehr. Als Fußgänger hat man ein ziemlich schweres Leben, weil außer an roten Ampeln nie jemand anhält und man permanent angehupt wird. Man überquert eine Straße, in dem man sich Spur für Spur vortastet, die Autos, Busse und Motorrollerfahrer weichen dann schon aus und wenn beide Seiten frei sind, kann man weitergehen.

b) Die Menschen. Die meisten sind sehr freundlich und höflich und sind meistens bemüht, einem zu helfen, auch wenn sie selbst nicht die genaue Antwort auf die Frage kennen, denn sie würden nicht zugeben, etwas nicht zu wissen.

c) Das Essen. Zugegeben: So oft habe ich zu Hause noch nicht mit Stäbchen gegessen, deshalb musste ich ins kalte Wasser springen. Es ist aber gar nicht so schwierig wie man es sich vorstellen könnte. Nudeln werden einfach „reingezogen“ und manchmal gibt es sogar Besteck dazu. In den Läden kann man viele Dinge kaufen, die es bei uns nicht gibt. Kaugummis mit Wassermelonen- oder Zitronengeschmack, Oreos in Sorten wie Schoko und Vanille oder fertig geschnittene Äpfel.

Die MAGLEV Flo vor dem Bund Lampignons im Oriental Pearl Tower Ein kleines Feuerwerk (so in etwa sah es auf Flos Flug aus) Hier ist sogar die letzte Brücke beleuchtet Lujiazui-Skyline Alex im Bild Hotel am Bund Im Bund Sightseeing Tunnel Oriental Pearl Tower Auf dem Oriental Pearl Tower Flos letzte Station vor Shanghai Glasboden im Oriental Pearl Panorama vom höchsten Observation Desk der Welt Blick nach Oben Sehr gutes Deutsch! Ein kleines Modell von Lujiazui Das Modell von Shanghai Unser Heimatdistrikt Super Wetter! Bei Nacht und Regen Ein ruhiger Tempel mitten in Shanghai Das Porzellan war höher wie Flo! Hier ist das wohl eine Attraktion, Fische zu berühren People's Square 2 zum Preis von 1,5 wer sagt da nein? Der See der Tretboote Im Tretboot Kurz vor Sonnenuntergang Auf Fotos sieht die Brücke immer ruhig und idyllisch aus...