Chaos in Laos

Dienstag, 24.03.2015

Nachdem wir den Mekong wieder flussabwärts bis Kratie geheizt sind, ging es, mit einer Nacht dazwischen weiter, mit Ziel Laos. Die erste Etappe ging entspannt im Gräbele des Notsitzes, also ohne Rückenlehne, ins nahe Stueng Traeng. Nah ist es eigentlich schon, würde nicht zufälligerweise in diesen Tagen der komplette Streckenabschnitt generalüberholt, und so ging die Fahrt über Stock und Stein, jeden Graben speicherte der Rücken, und als man dann ankam, wollte man nur noch entspannen. Das ging auch, denn der Fahrer machte uns deutlich, wir sollten einfach auf den nächsten Bus nach Laos warten. Dieses Warten zog sich dann aber doch über drei bis vier Stunden, bis uns endlich ein Busfahrer mit dem Ruf „Who wants to go to Laos?“ erlöste. In den großen Reisebus stiegen schlussendlich neun Passagiere, weniger als zuvor im Minivan. Von diesen neun Passagieren waren acht aus Europa und einer aus Japan. Eigentlich hätten hier schon die Alarmglocken schrillen sollen, wenn kein „Local“ an Bord ist, verheißt das eigentlich nie Gutes. Aber wir waren endlich wieder auf der Straße, wer beschwert sich da schon? 

An der Grenze angekommen, empfing uns ein junger Mann, der uns in perfektem Englisch erklärte, was zu tun ist, wo man sein Visum beantragen kann, usw. Eine Schweizerin und ich wurden sofort stutzig, vor allem als sie fragte, wo denn der „Immigration Point“ ist und er meinte, der kommt erst nach der Grenze. Damit entlarvte er sich als Schlepper, der unwissenden Touris überteuerte oder gefälschte Visa verkaufen will. Mit diesem Wissen mobilisierten wir die Gruppe und geschlossen gingen wir zum Check-Out aus Kambodscha. Dieser korrupte Check-Out wollte mit uns aber sein Geld verdienen, 2$ dafür, dass er den Ausreisestempel anbringt, wir konnten ihn jedoch auf den durchaus üblichen Dollar runterhandeln. Nun ging es weiter gen Laos, oder besser Richtung nächster korrumpierten Beamtenschaft, welche sich dieses Mal nicht runterhandeln lies. Dafür ging die Grenzkontrolle dann auch relativ einfach, was uns aber nicht viel brachte. Denn nachdem alle ihr Visum hatten und wir los wollten, kam einfach kein Bus, um uns mit zu nehmen, und das, obwohl wir eigentlich bis zu den viertausend Inseln gefahren werden sollten. Also warteten wir und versuchten, irgendwie Kontakt mit der Busgesellschaft aufzunehmen, aber die netten Beamten, denen wir schon einen Haufen Geld zugesteckt haben, wollten uns zum Dank nicht einmal ihr Telefon zur Verfügung stellen. Irgendwann konnte dann ein Franzose unserer Gruppe einem Tourist, der offensichtlich eine bessere Busgesellschaft gewählt hat, sein Telefon abschwätzen und so kam nach einiger Zeit ein Minivan, um uns abzuholen. Da 9 Backpacker in einem Minivan mit 9 Sitzen schon eine Herausforderung sind, waren 9 Backpacks einfach zu viel und so wurden diese einfach auf das Dach gebunden, manche recht professionell, manche kamen kaum in Kontakt mit dem Seil, das sie befestigen sollte. Der Fahrer sprach bei der ganzen Aktion kein Wort, auch auf Fragen reagierte er überhaupt nicht. Also beschlossen einige, dass der Fahrer wohl kein Englisch spricht und kamen auf die glorreiche Idee, über ihn zu lästern, er sähe so wütend aus und was er denn für eine seltsame Brille hat. Das resultierte in einem tatsächlich wütenden Fahrer, der mitten in der Pampa anhielt, ausstieg, die hintere Tür aufriss und in sehr gutem Englisch meinte „Who says I’m angry?“. Wir mussten unsere ganze Überzeugungskraft einsetzen, dass er uns nicht einfach im Nichts aussetzt. Das hat dann doch funktioniert und wir kamen, einige Stunden zu spät, auf der Insel an.