Alles in Budd(h)a

Mittwoch, 01.04.2015

Nachdem wir von Mama ausgecheckt haben, wurden wir von Papa, echt kreativ die Namen in Laos, mit einer kleinen Nussschale zum Ufer gefahren, von wo aus wir den Bus nach Pakse nahmen, wo unser Flugzeug nach Vientiane fliegen soll. Ein weiterer Programmpunkt in Pakse stellte das gemeinsame Essen mit zwei Freunden aus Deutschland dar, welche witziger Weise auch zu dem Zeitpunkt in Pakse waren, und einer schon im Hinflug in unserem Flugzeug saß. Dieses Essen baute aber darauf, dass der Bus uns pünktlich nach Pakse bringt, da wir recht wenig Aufenthalt hatten. Dieser Bus fuhr aber nach guter laotischer Manier ziemlich spät los und allgemein ziemlich langsam. Da wir aber trotzdem zusammen essen wollten, holten die beiden uns mit dem Moped ab und wir fuhren, 1,5h vor Abflug, zu einem Restaurant. Nach dem Essen und einer erfolgreichen Suche nach einem Tuk-Tuk ging es dann, 1h vor Abflug, Richtung Flughafen. Doch mehr war auch nicht nötig, denn der internationale Flughafen von Pakse besteht aus einem Check-In Schalter, wo die Gepäckstücke direkt auf das Rollfeld purzeln und einem einzigen Security-Check. Also einem Laufweg von vielleicht 15m, inklusive der Strecke, die man auf dem Rollfeld zum Flugzeug spazieren muss. Nach einem kurzen Flug, auf nur 18000 ft, die kleine Maschine hat nicht mehr Höhe geschafft, was uns aber einen tollen Ausblick beschert hat, landeten wir im Domestic Terminal des größten Flughafens Laos. Dass der Flughafen der größte Laos ist, muss hier extra betont werden, denn das Domestic Terminal hatte auch wieder einen einzigen Check-In Schalter pro Airline und ganz genau ein Gate, von dem aus man dann aufs Rollfeld laufen kann. Da dieser unglaubliche Flughafen auch keinerlei Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel genießt, ging es mit dem Taxi zum Hotel, und dieses stellte sich als das luxuriöseste Transportmittel aller bisherigen Asienreisen heraus: eine brandneue Limousine, mit Anschnallgurten, blitzblank geputzt und mit einem Fahrer, der so zurückhaltend fuhr, dass man gar nicht gemerkt hat, dass man in einem Auto sitzt. Stilecht war die Ankunft in der Hauptstadt Laos also schon mal nicht. Ebenso wenig unsere Unterkunft, während wir bisher ja nur in Hostels geschlafen haben, war in Vientiane die billigste Alternative ein Hotel, mitten im gehobenen Touristenviertel.

Nach diesem sehr angenehmen Einstieg und einem noch viel besseren Frühstück, direkt neben unserem Hotel war eine Skandinavian Bakery, ging es am nächsten Tag zum ersten To-Do: ein Moped finden, mit dem man die weiten Strecken zu den zum Teil außerhalb gelegenen Sights zurücklegen kann. Die Suche, welche uns immer wieder unsere Straße rauf und runter schickte, jeder Laote kennt offensichtlich einen anderen Verleih, endete vor einem sehr unseriös wirkenden Verleih, der als Pfand auch noch meinen Reisepass wollte. Das schlugen wir natürlich aus und ließen uns schlussendlich zu einem seriöser wirkenden „Travel-Agent“ fahren, welcher zwar auch meinen Pass wollte, aber deutlich seriöser wirkte. Keine zehn Minuten später heizten wir durch die Innenstadt Vientianes, Richtung Flughafen. Dort mussten wir Tickets für einen Flug gen Norden buchen, da die Airline keine Website hatte, von der aus man wirklich buchen will. Da es die Laoten irgendwie nicht so mit Schildern hatten, hielten wir irgendwann an und sahen per GPS, dass wir 5km zu weit gefahren sind. Man versuche das mal in Deutschland: fahre an einem größeren Flughafen vorbei, zum Beispiel Stuttgart, Hamburg, Tegel, und merke weder, dass der Flughafen direkt ums Eck ist, noch sehe ein Schild, das zu eben diesem weist. Wir erreichten trotzdem den Flughafen und konnten den Flug buchen, zwar nicht den vorher veranschlagten, der war leider ausverkauft, aber dennoch einen in die richtige Richtung. Nun ging es ans Tanken, wo wir mal wieder an eine Sprachbarriere stießen: während man in Kambodscha die Füllmenge in Litern bestellt, bestellt man hier die Füllmenge in 10.000 Kip. So bekamen wir nicht drei Liter in den Tank, sondern füllten den Tank für 30.000 Kip bis zum Rand voll. Also konnten wir Strecke fahren wie wir wollten, und das nutzten wir voll aus. Als ersten Stop ging es in den Buddha Park, direkt am Grenzposten zu Thailand und ca. 40km vom Flughafen entfernt. Und auch diesen verfehlten wir wieder um viele Kilometer, was darin endete, dass uns Locals den Weg zeigen mussten. Man könnte ja eigentlich meinen, so ein großes Sight ist leicht zu finden, aber nein, kein einziges Schild weist auf diesen recht großen Park mit 100 Buddha Figuren. Doch der Weg hat sich gelohnt, die Buddha Statuen waren echt schön, und der Park war bisher das gepflegteste Stück Grün unserer Reise. Nach diesem Naturerlebnis gönnten wir uns einen kleinen Umweg über eine interessantere Straße, welche durch ein paar kleine Dörfer verlief und in der Hauptattraktion Laos mündete, einer komplett in Gold gestrichenen Stupa, also einem spitzen Turm. Neben diesem sind zwei Tempel, einer im Norden und einer im Süden, im Buddhismus wahrscheinlich glücksbringende Himmelsrichtungen, nicht wie der Westen, der, zumindest im Glauben der Khmer, dem Tod gilt. Wir gingen in den im Norden und waren ziemlich beeindruckt: als erstes, dass die Laoten selbst Bilder machten und zum zweiten, als ein riesiger Gong halb Vientiane beschallte und ein laotischer Tourist aus der Ecke mit dem Gong kam. Dieser, unsere verwirrten Blicke schon längst entdeckt, klärte uns auf, dass man den Gong dreimal schlägt und je lauter man schlägt, desto mehr Ansehen erhält man in der Gesellschaft. Nach diesem Spektakel kam die alltägliche Suche nach einem geeigneten Platz zum Abendessen. Mit dem Moped recht flexibel und mit immernoch viel zu viel Sprit im Tank fuhren wir einfach mal in Richtung Food-Street und endeten in einem Sichuan-Restaurant. Wer sich noch an Chengdu erinnern kann, oder ein bisschen weit nach unten scrollt weiß, dass die Sichuan-Küche sehr scharf sein kann. Und ich bestellte ein Essen, welches wirklich scharf war. Während Alex ganz gemütlich ihr Omelette aß, kämpfte ich mit jedem Bissen meiner auch noch recht groß ausfallenden Nudelsuppe, ging aber nach ewiger Zeit als Sieger hervor.

Nachdem wir an dem Tag schon alle wirklichen Sehenswürdigkeiten abgeklappert haben, und immernoch viel zu viel Benzin im Tank hatten, entschlossen wir uns, am nächsten Tag einfach mal am Mekong drauflos zu fahren. Da wirklich kaum Verkehr war, konnten wir in relativ kurzer Zeit Pause mitten im nirgendwo 30km außerhalb Vientianes machen, ich denke, die Bilder sprechen hier für sich. Da den ganzen Tag schon Wolken im Himmel hingen, wurden wir auf der Rückfahrt, welche wir spontan auf einer gewundenen Straße quer durch den Wald antraten, von Regen abgekühlt. Wobei abgekühlt eventuell etwas untertrieben ist. Nachdem wir die letzten 2 Wochen immer über 30°C hatten und nachts froren, wenn wir die Klimaanlage auf unter 27°C stellten, war der Regen richtig kalt. Noch dazu sind so Wassertropfen bei unserer normalen Geschwindigkeit von 60-70km/h, was bei diesem Monster von Skooter so ca. die Hälfte des Gashahnes ausmachte, schon fast schmerzhaft, weshalb wir mit gemächlichen 40km/h dahinrollten. Am Ende dieser Straße fing Vientiane durch ein Straßendorf wieder an zu sein und wir machten erst mal Pause, ganz unbewusst an einem Barbershop. Nachdem ich diesen dann als solchen identifizierte und feststellte, dass die Rasur deutlich weniger als einen Euro kostet, legte ich mich sofort unters Messer.

Wieder daheim und eine kleine Tempeltour, mittlerweile haben wir echt eine kleine Überdosis an Tempeln, entschlossen wir uns, der Tank war auch nach über 100km immer noch halb voll, zu einer wohl sehr guten Pizzeria am anderen Ende der Stadt zu fahren, interessanter Weise vorbei an einem der pompösesten Häuser der Stadt. Was da wohl drin sein mag? Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland. Doch dieses prunkvolle Haus ließen wir schnell zurück, denn wir hatten richtig Hunger. Dieser wollte aber nicht so schnell gestillt werden, denn die Pizzeria hatte einfach zu. Und wir waren am Ende der Welt. Beziehungsweise im Diplomatenviertel und die scheinen einen guten Hunger an den Tag zu legen, denn schon eine Querstraße weiter fanden wir einen Mexikaner und ich bekam die größte Mahlzeit meines Lebens, in Form eines Burritos. Der war auch noch so lecker, dass man lieber kämpfte, als aufzugeben, aber die Portion war einfach zu groß. So kämpften wir uns auf das Moped und das Moped kämpfte sich auf die Straße. Da ich auf die glorreiche Idee kam, dass ein anderer Weg bestimmt deutlich einfacher nach Hause führen muss, fuhren wir in eine Richtung los. Und endeten in einem nicht beleuchteten Feldweg, der an einer bedrohlichen Mauer mit NATO-Stacheldraht entlangführte. Wir brachen diesen Navigationsversuch dann ab, da das Gelände, es stellte sich im Nachhinein als die Botschaft Nordkoreas heraus, echt Angst einjagte.

Am letzten Tag in der Hauptstadt Laos gab es eigentlich nur noch einen Programmpunkt: Die Abgabe des Mopeds. Also brachen wir zur letzten der unzähligen Fahrten auf, und wurden prompt auf den letzten Metern von Polizisten angehalten. Diese meinten, wir würden falsch rum durch eine Einbahnstraße fahren wollen, und kassierten meinen Führerschein. Nach einiger Diskussion meinten sie, ich könnte ihn für eine doch recht hohe Summe wieder haben, ohne Strafzettel, also bestochen. Da wir bald losfliegen wollten, machte ich natürlich mit und bezahlte den korrupten Arm des laotischen Gesetzes. Da ich den Eintrag am letzten Tag der Laos-Reise schreibe, kann ich nur sagen, dass die ach so tolle Polizei die einzige negative Erfahrung auf der ganzen Reise bescherte, danke!

Buddha Park Wie auch immer ein Baum da rauf kommt Das Wahrzeichen Laos ... Schöne Bilder auf der Fassade ... Eine Enge im Mekong auf der Tour ... ...