Berichte von 03/2014

Suite zum Nulltarif

Freitag, 28.03.2014

14,5 Stunden. Selbst in Deutschland in der 2. Klasse eines gemütlichen Regios wäre das eine Tortur. In einem Hard Seat eingequetscht, hier passt der Begriff Holzklasse wirklich, ist es die Hölle. Nach spätestens sieben Stunden weiß man nicht mehr, wie man sitzen soll und eine Stunde später fangen die Rückenschmerzen an. Dann, wenn man schon gar nicht mehr weiß, was man tun soll, realisiert man, dass man erst die Hälfte hinter sich hat. Doch mit Ach und Krach erreichten wir am Ende völlig fertig Lanzhou und sollten für die Zugfahrt entlohnt werden: Unser billiges Hotel, Lanzhou ist keine Touristenstadt, sondern Industriestandort, weshalb Hostels ausschieden, entpuppte sich als Luxushotel, mit tollem Bad, Wasser, ja, Wasser ist etwas Besonderes, und einem schönen weichen Bett. So gönnten wir uns eine kurze Nacht, um am einzigen Nachteil eines chinesischen Hotels zu stehen, dem Inklusivfrühstück, die chinesische Variante. Während ich ja mit Pancakes und Kaffee völlig zufrieden wäre, begnügen sich die Chinesen mit gedünstetem Kohl, Nudelsuppe und Reis mit Shrimps. Zu Trinken war mir nicht mal ein Kaffee gegönnt, nein, es gab leckere Reissuppe.

Nach diesem wundervollen Mahl ging es sofort weiter zum Nächsten wirklichen Stop, Xining. Eine kleine Provinzhauptstadt der wahrscheinlich unbekanntesten chinesischen Provinz Qinghai, Hochburg des chinesischen Islams und Ausbildungsstätte der letzten Dalai Lamas. Also praktisch das Jerusalem des fernen Osten, wobei es hier unglaublich friedlich zugeht. Nach einer wirklich kurzen Zugfahrt, nach der letzten kommen einem zwei Stunden vor wie einige Minuten, erreichten wir diese eigentlich unglaublich friedliche Stadt und wurden von zwei schwer bewaffneten Militärgruppen begrüßt, die den Bahnhof vom Verkehr abschotteten. Warum auch immer. Nach dem letzten Hostel-Flop in Dunhuang war die Spannung natürlich unglaublich groß, ob dieses Hostel existiert, und das tat es. Die Location ist zwar unüblich gewählt, der Hostelbesitzer hat einfach alle freien Wohnungen in einem Wohnhochhaus gemietet, verteilt über alle Stockwerke, und das als Hostel deklariert. Als Zeichen des guten Willens wurde unser Zimmer ohne unseren Einfluss einfach vom Doppelbett zur Suite geupgradet und so konnten wir, zwar am ersten Abend ohne Strom, Wasser und Internet, den Blick von der Couch über Xining gleiten lassen. Nachdem ich schon seit ein paar Tagen stark kränkelte, kein Wunder, die Chinesen husten und rotzen ja fast permanent durch die Gegend, steckte sich auch Alex damit an, und da man mit Fieber nicht unbedingt fit für Touren in die Berge ist, wir waren ja ohnehin schon auf ca. 3000m Höhe, deklarierten wir den ersten Tag zum Heiltag und legten uns nach einem kurzen Stop beim nächsten Bäcker, den es erst einmal zu finden galt, und einem Besuch in der größten Moschee Chinas sofort wieder ins Bett. Den Weg zum Bett bescherte uns die billigste Taxifahrt unseres Lebens: nachdem wir uns zum ersten Mal wirklich etwas verfahren haben, dumme Ringbusse, fuhren wir die letzten paar Kilometer für unter einen Euro! Ja, Dienstleistungen sind in China nicht wirklich die teuersten Angelegenheiten. Am nächsten Tag stand das Komplementärziel auf dem Reiseplan: der Ausbildungstempel der Dalai Lama. Diesen erreicht man nur über einen einzigen Bus, einen 16-Sitzer. Schon beim Einstieg verloren wir jedes Vertrauen in die Linie, denn durch die Frontscheibe zogen sich einige Risse. Naja, sowas schockt einen China-Backpacker ja nicht mehr wirklich und so ließen wir die Busfahrt einfach Busfahrt sein. Schon einige Minuten nach der Abfahrt zeigte sich der Grund der Risse auf sehr anschauliche Weise: Schlaglöcher. Sehr viele Schlaglöcher. Und bei jedem konnte man dieses ungesunde Geräusch vernehmen, wie Metall auf Metall und Metall auf Plexiglas schlägt. Hier sei angefügt, dass es eine ernsthafte Überlegung sein sollte, sich ein chinesisches Auto anzuschaffen. Dass diese Autos locker 100.000km auf solchen Straßen fahren spricht ja eigentlich für sich. Endlich am Tempel angekommen kam erst einmal die Verwirrung: ein Sight ohne Ticketoffice. Naja, so ist China halt, also einfach mal reinmarschiert. Dieser Tempelkomplex war wirklich ganz anders als alle anderen vor ihm. Während überall reich verzierte Tempel und Schreine standen, war hier alles schlicht gehalten. Die Anlage war vielmehr eine Menge aus Versammlungsräumen für die Mönche, welche sich hier auch fleißig umhertrieben.

Nach einer weiteren wilden Fahrt kamen wir wieder in unserem Viertel an und wie eigentlich immer hatte ich Hunger. Naja, nachdem die letzten Tage jetzt nicht wirklich kulinarisch wertvoll waren (Nudelsuppe, Brot) musste dieses Mal etwas anderes her, und als wir schon am Hostel waren viel uns direkt gegenüber ein verwahrlostes Burgerrestaurant auf, welches sich als wirklich gut herausstellte. Nachdem die Standards bei der großen Konkurrenz nicht sehr hoch sind, setzte man hier auf regionale Spezialitäten und zwar frisch gekocht! Gestärkt von diesem Mahl wurde ich mutig: ein neuer Haarschnitt im benachbarten Frisör musste her! Ich war ja letztes Jahr schon zwei Mal beim chinesischen Frisör, jedes Mal war es zu meiner Zufriedenheit, doch in Xining sollte das anders sein. Um euch zu verschonen, verzichte ich auf ein Nachher-Bild.

Blick aus unserer Suite Von der Suite Gebetszylinder Eine wilde weiße Taube

Die Stadt, in der der Trip seltsam wurde

Sonntag, 23.03.2014

Nach Chengdu, einer Stadt, die ich schon gesehen habe und die ohnehin recht westlich ist, machten wir uns auf in eine völlig neue Welt: die Wüste Gobi. Also mal wieder in den Flieger, im Gegensatz zu früher, wo fliegen ein Highlight war, ist es mittlerweile irgendwie zu einer Art Rouine mutiert und ab nach Dunhuang, einer muslimisch geprägten Stadt in der Wüste. In Shangri-La deklarierten wir den Flughafen noch als klein, weil unser Flugzeug einfach auf der Startbahn drehte und zu einer der fünf Gates fuhr. Dunhuang dagegen ist noch bedeutend kleiner. Hier hat es keine Gates. Alles was es gab war ein kleines Feld vor dem Flughafen, wo unser Flugzeug als einziges parkte und ein Wagen mit Treppe. Also konnte man einen schönen Spaziergang auf dem Rollfeld zurücklegen zum Ein- und Ausgang. Der „Shuttle-Bus“ vom Flughafen war natürlich der Größe des Flughafens angepasst und so fuhren wir im Minivan Richtung Innenstadt, wo uns ein netter Chinese von unserem Flug die Richtung zu unserem Hostel zeigte. Dort angekommen kam dann der Schock: Vom Hostel war nicht viel mehr übrig als die Fassade, im Inneren türmte sich der Bauschutt. Leider waren wir in einer chinesischen Touristadt, also waren die gut ausgeschilderten Hotels nicht zu bezahlen. Ich wusste noch von einem einzigen Hostel, das zum gleichen Besitzer gehört, dem scheinbar sowieso die halbe Stadt gehört, überall tauchte sein Name auf, aber das war eine gute Stunde zu Fuß außerhalb. Aber wir erinnerten uns, dass der nette Chinese einer anderen internationalen Backpackerin den Weg zu ihrem Hostel gezeigt hat. Also nochmal zurück zum Ausgangspunkt und in die Richtung gelaufen, in die die Beiden davongezogen sind. Vielleicht hatte Alex doch Recht als sie meinte, wir sollten drei 1,5l Flaschen Wasser mitnehmen, falls wir verloren durch die Wüste reiten müssen? Nach einiger Zeit erreichten wir das Silk Road Hotel, welches früher wohl das Drehkreuz von Dunhuang war, momentan aber komplett ausgeräumt wurde. Im Innern fanden wir eine verlorene Rezeptionistin, die wir Kurzerhand um Internet anpumpten und von ihr auch ohne Probleme bekamen. Es funktionierte jedoch nicht. Und wie macht man der Guten, die kein Wort Englisch spricht, klar, dass man ein Hostel für die Nacht sucht? Da kam der Gedankenblitz: Ich hatte ja noch meine Hostelling International Card, welche ich in China erworben hatte und demnach auch die chinesischen Zeichen für HI aufgedruckt waren! Mit diesem Hilfsmittel, wusste sie was wir wollten und zeigte uns den Weg zum Hostel, welches jedoch eher Hostelling Regional als Hostelling International war, denn niemand sprach wirklich Englisch mit uns. Doch das war uns egal, wir wollten hier ja nur schlafen. Dass daraus noch viel viel mehr wird, hätte beim Einchecken noch keiner von uns gedacht. Denn schon an diesem Abend nach einem wunderbaren Abendessen in einem lokalen Restaurant (welches noch nicht zu hatte, im Gegensatz zum Café des Besitzers unseres ehemaligen Hostels, von dem wir eigentlich alle Informationen für unsere Wüstentouren beziehen wollten) welches aus lokalen, von Hand gezogenen Nudeln, Lanzhou Lamian, und diversen beigekochten Sachen bestand, trafen wir zwei namenslose Chinesinnen und einen Taiwanesen bei einem kleinen Billardspiel. Diese luden uns ein, mit ihnen am nächsten Tag eine vom Hostel organisierte Wüstentour zu machen. Die eine, eine Deutschstudentin an der Tongji Universität Shanghai, welche uns am Anfang noch sehr schüchtern in sehr brüchigem Englisch einlud, wurde zusehends mutiger und besser. So hatten wir noch ein paar Stunden nette Diskussionen und saßen am nächsten Tag voller Vorfreude im Minibus.

Während dieser typisch chinesischen Tour, also viele Sights in viel zu wenig Zeit und ein Fahrer, der eher die Reinkarnation des Todes darstellte, wenn man nach seinem Fahrstil geht, sahen wir zum einen die große Filmstätte von Dunhuang. Hier wurden die Wüsten- und Altstadtszenen aller großen China/Hongkong Produktionen gedreht, sowie einige Asienszenen aus Hollywood. Der Detailreichtum war überwältigend! In den Häusern stand Essen aus Plastik auf den Tischen, das auch zur jeweiligen Dynastie passte (zum Beispiel Bauze, gedämpfte und gefüllte Teigtaschen) und für einen Buddha wurde extra eine berühmte Künstlerin Chinas hinzugezogen, die die Buddhas aus den Mogao Grotten nachempfinden sollte. Nach diesem Stop ging es weiter in die Wüste, vorbei an karger Kieswüste auf einer unendlich langen geraden Straße. Bis wir bei Grotten gefüllt mit steinalten Buddhas hielten. Mit steinalt ist gemeint 1000+ Jahre. So alt also, dass sich an den Wandmalereien die Hautfarbe von gelb zu schwarz änderte. Dank unseren chinesischen Freunden erhielten wir auch hier nach langer Diskussion, ist immer gut, Kontakte zu haben, den chinesischen Studentenrabatt und konnten ihr staunen live miterleben. Im Gegensatz zu Deutschland staunt man hier nämlich nicht leise, nein, bei jedem Satz unseres Guides ging ein lautes „ooooh“ oder „aaaaah“ durch den Raum.

Nach  weiteren 70km, wir haben inzwischen die Straße verlassen und rasen quer durch die Wüste auf unbefestigten Pfaden erreichten wir unser Hauptziel: Das Ende der chinesischen Mauer, umringt von unzähligen interessanten Steinen mitten in der Wüste! Noch viel mehr als letztes Jahr waren wir erstaunt, wie die Chinesen solch ein Werk vollbringen konnten. Kurz vor dem Sonnenuntergang, dank Mao und dem tollen Kommunismus mit seiner 0% Arbeitslosenquote ist man ja nichtmehr wirklich motiviert, länger als nötig zu arbeiten, drehten wir um gen heim. Dort angekommen wurden wir von unseren neuen Freunden, dem ganzen Minivan, selbstverständlich zu diversen Tätigkeiten am nächsten Tag eingeladen. Doch wir hatten größeres vor. Und zwar brauchten wir ja leider noch Zugtickets für eine kleine 14-stündige Überfahrt nach Lanzhou. Nach dieser Shoppingtour, für die 1133km zahlt man hier übrigens nur 17€, machten wir uns auf zur Hauptattraktion, den Echoing Sand Mountains. Diese sind riesige Dünen, bestimmt 50 Meter hoch, in deren Mitte eine kleine Oase mit Tempel liegt. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass der Aufstieg so unglaublich anstrengend werden kann. Denn auf solch eine Oase bekommt man den besten Blick natürlich von ganz oben. Und wenn man bei jedem Schritt aufgrund der extremen Steigung immer fast schrittweit zurückgeworfen wird, ist dieser Blick nur mit großer Anstrengung zu erreichen. Gelohnt hat sich der Aufstieg mindestens für den Abstieg! Denn bei Dünen, vor allem diesen mit über 100% Gefälle, hebt man, wenn man rennt, immer für längere Zeit vollständig vom Boden ab. Das Gefühl dabei lässt sich am besten durch Fliegen beschreiben!

Die Bautse So wollten es die Chinesen haben, das Bild Wüste Wir vor der WüsteDie Reste der MauerInfinityDer verpasste SonnenuntergangDie Oase in der SandwüsteVon obenWilde EselMan versucht sich an der ChinesenhockeJa, das war wirklich so steil!Der Kamm einer Düne

Frittierte Maden!

Donnerstag, 20.03.2014

Nach Shangri-La sollte der nächste wirkliche Stopp Chengdu sein, welcher aber als Zwischenstopp Lijiang forderte, also machten wir uns nach dem Kloster auf nach Lijiang. Wieder mit dem Bus. Wieder dauerhaft Musik. Nach dieser vierstündigen Nervenprobe endlich angekommen verliefen wir uns natürlich prompt in der Altstadt. Ich bin zwar schon mal dagewesen, aber in diesem Viertel mit schmalen Wegen sieht einfach alles gleich aus. Und zu allem Übel wussten wir nur den Straßennamen, nicht aber die Hausnummer. Blöd, wenn die Straße, oder besser der Weg, die Altstadt ist komplett autofrei, mindestens 150 Hausnummern hat und man keine Ahnung hat, wo sich in etwa das Hostel befindet. Also mit 20kg auf dem Rücken bei 20°C ne kleine Wanderung unternommen und nach einer halben Stunde standen wir dann unvermittelt vor dem Hostel. Erste Veränderung zum letzten Jahr: der wunderbar englisch sprechende Joy, welcher letztes Jahr noch allein das Micro-Hostel gemanaged hatte, war nicht da und ist auch den kompletten Aufenthalt nicht mehr aufgetaucht.

Nach der ersten Nacht, mit wirklich allen Annehmlichkeiten, welche in Deutschland ganz normal wären, wie z.B.: fließend warmes Wasser, eine Tür, welche das Bad vom Zimmer trennt, Strom, ein warmes Zimmer, Wände, die dicker sind als Papyrus, konnten wir uns entspannt in die Altstadt begeben. Nachdem wir den ganzen Tag wirklich nur geschlendert sind, hier zwei kurze Anekdoten aus diesem Tag:

  1.        Setze dich niemals im Restaurant an die Veranda zur Straßenseite, es sei denn, du stehst auf Blitzlichtgewitter
  2.        Denke nicht, frittierte Maden schmecken nach Chips, sie haben nur die Konsistenz, schmecken tun sie wirklich nach Maden (und das ziemlich lange)

Lecker lecker Maden

Nach diesen Erfahrungen und einer kleinen Überraschung, Alex fliegt zu ihrem Geburtstag nach Chengdu zu den Pandas, ging es direkt los zum Airport.

Angekommen in Chengdu in einem der besten Hostels Asiens erwartete uns gleich ein allbekannter Schock: aufgrund von Bauarbeiten gibt es kein fließend Wasser am nächsten Tag. So schnell werden Sehnsüchte nach einer Waschmaschine unerreichbar. Naja, durch solche Kleinigkeiten lässt man sich im allgemein sehr geruchsintensiven China nicht den Trip versauen und so gingen wir, mit dem köstlichen Frühstück im Hinterkopf, ins Bett.

Was natürlich keiner von uns bedacht hatte, war die Tatsache, dass die Frühstückszubereitung auch des Wassers bedarf. Also keine Pancakes zum Frühstück, doch was dann? Schlussendlich fiel die Wahl auf Alex‘ Lieblingsfastfoodrestaurant namens Subway. Nach diesem authentisch-chinesischen Frühstück ging es auf zu den Pandas. Und da man diese friedlichen Tiere unmöglich in Worte fassen kann, lasse ich da wieder Bilder sprechen!

Nach diesem wunderschönen Ausflug kam die wichtigste Frage eines jeden Tags in China: Was soll es zum Abendessen geben? Wir ließen uns, um Alex‘ Geburtstag gebührend ausklingen zu lassen, einen guten Italiener empfehlen, weshalb wir schließlich im Casa Miya, ja, Chinesen nehmen es mit dem italienisch nicht so genau, landeten. Nach diesem vollkommen perfekten Tag, vom unspülbaren Klo im Hostel abgesehen, kam noch der perfekte Abschluss: Wieder meines Erwartens, Alex war da optimistischer, lief das Wasser nach 21Uhr wieder und so konnten wir dann doch noch in einer Nacht und Nebel Aktion für frische Wäsche sorgen!

Der nächste und auch schon wieder letzte Tag in Chengdu sollte ein ganz gemütlicher werden, also erst einmal ein gutes Frühstück im Hostel eingenommen, Wasser lief ja wieder, und dort den Morgen vorbeiziehen lassen. Zum Mittagessen hatte ich ein lang angekündigtes Attentat auf Alex vor: eines der heruntergekommensten Restaurants, in denen ich in 4 Monaten China je gegessen habe. Dafür aber das Restaurant mit einen der besten Taiyuan der Welt. Was sind Taiyuan? Kleine Bällchen mit schleimiger Oberfläche, die Haut besteht aus Reisteig, und einer süßer mehlig-sämigen Füllung, das Ganze in einer süßen Suppe. Richtig beschissen zum Essen, vor allem mit Stäbchen, aber extrem lecker! So machten wir uns also auf in dieses Hygienedesaster, um das bisher leckerste Mahl der Reise einzunehmen.

Gestärkt ging es dann weiter zum nächsten Programmpunkt: Massage. Und nicht nur irgendeine Massage, sondern eine von unserem Hostel empfohlene Qi-Gong Massage, die nicht wirklich entspannend, aber dafür umso gesünder ist. Die Szenerie in dem Massagestudio war aber relativ bizarr. Der Besitzer scheint wohl gestorben zu sein, so Alex Theorie, und übrig blieb eine Masseurin mittleren Alters, wahrscheinlich seine Tochter, die allein in dem wohnzimmergroßen Raum stand. Nun ja, eine Kundin war auch noch dabei, die jedoch etwas ganz anderes gekauft hat, als eine Massage. Nämlich ein Bett, sie schlief da einfach nur. Also durfte der Erste von uns sofort ran und sich auf die Liege legen. Ich erfuhr ziemlich schnell, was die Qi-Gong-Massage wirklich ausmacht. Da ich ja seit Jahren Kampfsport praktiziere, kenne ich mich recht gut mit Druckpunkten und den Flüssen des Qi im Körper aus. Und so wie man bei einer normalen Massage versucht, die Muskeln durch direkte Massage zu lösen, so versuchte sie den Energiefluss im Körper durch Massage jedes einzelnen Druckpunkts zu aktivieren, bzw. zu stärken.

Mit gestärktem Qi ging es dann wieder ins Hostel und zum Abendessen. Und da wir in Sichuan sind, der schärfsten Region der Welt, musste ich natürlich Gong Bao Chicken probieren, das schärfste Gericht dieser Region. Zugegeben, es war wirklich extrem scharf, aber auch unglaublich lecker!

So hängt man Unterwäsche in China auf Großer Panda Roter Panda Roter Panda

Volle Chinesen

Montag, 17.03.2014

Die Bilder sind jetzt angehängt

Nachdem die Fahrt nach Yuanyang eine wahre Odyssee war, verwarfen wir unseren Plan, auf dieselbe Weise zurück zu kommen und fuhren von Xinjie, einem Dorf im Bezirk Yuanyang, direkt nach Kunming. Die Straße war bedeutend besser wie beim Hinweg, keine tiefen Schluchten mehr direkt neben der Straße, und ein Reisebus hat doch einige Vorzüge einem 16-Sitzer gegenüber, aber 8h Fahrt am Stück sind doch irgendwann ätzend. Umso froher waren wir als wir endlich im Hostel angekommen sind und erfuhren, dass sich am nächsten Tag eine Französin gern einen Minivan zum Flughafen mit uns teilen möchte. Gut, das einzige Problem war die Abfahrtszeit: 4:00AM! Also kurzerhand um 3 Uhr aufgestanden, man hat ja eh schon viel zu viel schlaf, da kann man sich ruhig mal eine kurze Nacht gönnen, um nach Shangri-La, die berühmte mystische Stadt, zu fliegen. Dort angekommen traf uns der Schlag. Wie wir schon in den deutschen Nachrichten im Januar gesehen haben, wurden 300 Häuser bei einem Großbrand zu Ruinen. Was wir nicht wussten war, dass unser Hostel nur 5 Häuser von den Ruinen entfernt war. Und dieser Anblick brennt sich ein. Überall Staub, wo eigentlich Häuser sein sollten, ab und an Stümpfe von Holzbalken, die vor wenigen Monaten noch die über 1000 Jahre alten Dächer der Häuser stützen. Auch im Hostel war das Feuer allgegenwärtig: Da die Feuerwehr zum Löschen der Häuser so viel Wasser gebraucht hatte, war das Grundwasser in Dukezhong, so hieß die Altstadt, vollkommen ausgeschöpft. Also gab es weder Wasser zum Duschen, noch konnte das Klo gespült werden. Dafür bemühte sich unser namensloser Hostelbesitzer, den Aufenthalt so angenehm wie nur irgendwie möglich zu gestalten. So war meine Shangri-La-Leibspeise, gebratenes Yak mit Nudeln und Gemüse, wirklich unglaublich lecker, und es war in der Wohnstube einigermaßen warm, da selbst bei dem extrem teuren Holzpreis, die alten Holzhäuser werden natürlich sofort wieder nachgebaut, kräftig eingeheizt wurde.

An unserem ersten vollen Tag hier am Tibet entschlossen wir uns, eine kleine Reise zu den Baishuitai Wasserterrassen zu machen, die schlussendlich zur Geduldprobe wurde. Warum das? Nun ja, der Busfahrer beschloss, auf der jeweils dreistündigen Fahrt pausenlos dieselbe CD mit chinesischen „Popliedern“ zu hören, welche sich interessanter Weise nur durch das Intro unterschieden.

Nach diesen Strapazen entschieden wir uns, kurz im Hostel zu essen, und uns noch eine Massage zu gönnen. Während dem Essen fing unser Hostelbesitzer an, ein Barbecue mit ein paar chinesischen Freunden zu veranstalten. Noch während wir aßen, tranken er und ein anderer Chinese zusammen sieben Bier und als wir ihn nach dem Weg zum nächsten Massagestudio fragten, lallte er uns schon voll. Ja, das Vorurteil scheint zumindest im Westen Chinas doch zu stimmen. Das interessante am empfohlenen Massagestudio war, dass es sich um blinde Massage handelte, d.h. die Masseure waren allesamt blind. Der große Vorteil ist, dass blinde Menschen viel stärkere Sinne hatten und so viel mehr Gefühl in den Händen haben, als Sehende. Der große Nachteil war aber, dass wir uns sowieso fast immer mit Händen und Füßen verständigen und diese Kommunikationsmethode hier flachfällt. Also gab es halt keine Kommunikation und wir konzentrierten uns vollkommen auf die unfassbar schmerzhafte aber dafür sehr entspannende Massage. Noch heute, zwei Tage danach spüre ich genau, wo mein Masseur intensiver massiert hat.

Wieder zurück im Hostel erwarteten uns zwei Extreme: zum Einen trafen wir eine Deutsche mit ihrem chinesischen Freund, die im Outback von Yunnan ihr FSJ als Englischlehrerin macht. Zum andern unseren Hostelbesitzer und seine Mannschaft, die mittlerweile unglaublich betrunken waren. Während wir uns mit der Deutschen intensiv unterhielten, floss am Nachbartisch ein koreanischer Reiswein nach dem anderen und irgendwann konnte man das nüchtern perfekte Englisch des Besitzers nicht mehr verstehen. In diesem Zustand machte er und sein Gefolge sich auf in die nächste Bar. Wir haben ihn nie wiedergesehen, er muss wohl bis in den späten Nachmittag seinen Rausch ausgeschlafen haben.

An unserem letzten Tag und einer weiteren extrem kalten Nacht, man konnte den Atem im Zimmer sehen, besuchten wir Songzanlin Si, ein großes, noch heute bewohntes, Kloster, das mehr oder weniger komplett mit Blattgold belegt ist. Zudem sind die Wände im Innern der einzelnen Räume kunstvoll mit Geschichten und Göttern des Buddhismus verziert.

Die Ruinen von Shangri-La Wasserterrassen von Baishuitai Baishuitai Die faszinierende Quelle Sōngzànlín Sì Wir vor einem der Tempel Ein paar der Mönche

Über Schwein und Huhn

Freitag, 14.03.2014

Als erster wirklicher Stop in China waren die Reisterrassen südlich von Kunming in der kleinen „Stadt“ Yuanyang geplant. Um dort hinzukommen mussten aber einige Vorbereitungen getroffen werden. So kam es dann, dass wir nach erfolgreichem Grenzübertritt in Shenzhen und anschließend 1h Metro im Flieger nach Kunming saßen, um dort zu übernachten. Nun ja, und um die Tickets für den Zug nach Jianshui zu kaufen. Das stellte sich aber als etwas Außergewöhnliches heraus. Der Grund war folgender: letzte Woche geschah in dem Bahnhof von Kunming ein Massaker, bei dem fünf Islamisten über 30 Passagiere töteten und über 120 zum Teil schwer verletzten. Deswegen wurden die Sicherheitsmaßnahmen stark erhöht, sodass ich, nach Pass- und Körperkontrolle, von schweren Maschinengewehren und mannshohen Schlagstöcken beschützt, zum Ticketschalter gelangte.

Nach diesen Strapazen und einer kurzen Nacht im Hostel konnte es auch schon losgehen. Zuerst mit dem Zug nach Jianshui von wo es mit einem 16-sitzigen Minibus zu den Reisterrassen ging. Man könnte meinen, so eine Fahrt mit dem Minibus ist nichts spektakuläres, doch in den Passstraßen ist es das. Es ging auf der einen Seite so steil hoch, dass man keine Chance hat, auszuweichen und auf der anderen Seite ging es ca. 500-1000m runter, ohne Sicherung. In Deutschland würde man in so einem Fall wahrscheinlich mit 20km/h und höchster Vorsicht solche eine Straße befahren, in China jedoch wird hier, auf einer unbefestigten Straße telefonierend in der Kurve überholt. Nach dieser Fahrt und 6h Todesangst, zumindest bei Alex, ich war eher am Dauerlachen, da die unangeschnallten Fahrgäste bei jeder Bodenwelle synchron von ihren Sitzen katapultiert wurden, kamen wir endlich in Yuanyang an. Und das war bombastisch. Lauter kleine Dörfer, wo Frauen in Hani-Kleidung umherirrten und ihre Felder bestellten. Das Volk der Hani ist die Minorität, die das Land um Honghe besiedelt. Unser Hostel befand sich in einem dieser kleinen Dörfer und so mussten wir uns auf dem Weg dahin an einem Schwein und diversen Hühnern vorbeidrücken, welche auf dem Weg schliefen. Das Hostel ist eine Familie, in die man mit dem Check-In aufgenommen wird. So wurden wir mit lauter lokalen Köstlichkeiten versorgt, meistens von „der Oma“ welche mit uns lachte, obwohl eine der Seiten kein Wort verstand.

An unserem vollen Tag entschieden wir uns zu einer 10km langen Wanderung durch die Reisterrassen, um ein bisschen abseits von den Touris zu sein. Das hat sich auch gelohnt, denn unsere Mittagspause machten wir auf einer Klippe weit über den Reisterrassen, die nur zu Fuß erreichbar war und uns den Atem verschlug. Nach unserem reichhaltigen Mittagessen bestehend aus Orangen und einer Wassermelone vom lokalen Markt ging es weiter zum schweißtreibenden Aufstieg bei 28°C.

Nach einer unglaublich billigen Fahrt zum Hostel (ca. 0,60€ für 30min Fahrt), man wird ja mutiger und steigt einfach in private Minivans, und einer kurzen Nacht mussten wir schon wieder los und wurden von der kleinen Oma noch zum Abschied umarmt, Stichwort Familie.

Blick vom Zimmer Eine Reisbäuerin beim balancieren Alex auf der Klippe Flo an der Klippe Ein Feldarbeiter der besonderen Klasse

Hongkong - die Zweite

Sonntag, 09.03.2014

Da wir in Hong Kong nur eingeschränkt Internet hatten, hat sich das Uploaden des Blogeintrags leider etwas nach hinten verschoben.

Wie beim ersten Mal war auch dieses Jahr der Flug nach Hong Kong ein ganz besonderes Ereignis. War es letztes Mal noch die Luxusline Cathay die den Flug zu etwas Besonderem gemacht hat war es dieses Jahr der Umstieg in Beijing. Normalerweise ist so ein Umstieg ja eine leichte Sache: man verlässt die Brücke vom Flugzeug über den Transit-Ausgang, geht zu seinem Gate und fliegt weiter. Nicht so in Beijing. Hier muss man durch den kompletten Flughafen laufen, um zu einem der vier Grenzbeamten zu gehen, die für das komplette Terminal 3 zuständig sind, um zu den Gates zu gelangen. Naja, nicht direkt zu den Gates, sondern zum speziellen Transit-Security-Check.

Nach dieser kleinen Unterbrechung in Hong Kong angekommen staunte Alex nicht schlecht über das Viertel, in dem wir die nächsten zwei Nächte „königlich“ residieren sollten. Dieses Viertel, Mongkok genannt, ist berüchtigt als eines der heruntergekommensten Hong Kongs, es stinkt, die Häuser sind total heruntergekommen und es ist überfüllt. Um diesen ersten Eindruck noch schön zu untermauern, gingen wir erst einmal in die Chungking Mansions zum Geld tauschen. Die Chungking Mansions sind berühmt als „negative globalization“ oder einfach „abgefucktester Ort der Welt“, doch die Währungskurse sind der Hammer! Man tauscht hier Hong Kong Dollar in chinesische Yuan mit einem Kurs von 1,26, wobei der offizielle Kurs an der Börse 1,265 ist. Deswegen nahmen wir dieses Mal alles Geld in bar mit, was man in den Bildern auch gut erkennen kann. Nachdem auf so einen Kulturschock kein chinesisches Essen folgen konnte, kehrten wir in meinen Stamm-Subway am Hafen ein.

Nach einer langen aber schlaflosen Nacht, ja, in Hong Kong kommt es schon mal vor, dass das Nachbarzimmer mitten in der Nacht eine private Karaoke Party steigen lässt, und einem traditionellen chinesischen Frühstück, Reisnudel-Suppe mit „Würstchen“ und Ei, entschloss ich mich, doch etwas an dem ersten Eindruck von Alex zu reißen und wir unternahmen eine ausgedehnte Tour über die Wohnblocks (große, 40 Stockwerke hohe Wohntürme) und die ausgelagerten Inseln, wo die Einwohner in kleinen Dörfern um den Marktplatz herum wohnen. Hier sieht man noch das richtige traditionelle Hong Konger leben, wie es vor dem Einfallen der Briten aussah. Interessant ist auch der Transport: von praktisch jeder Insel kommt man zu jeder anderen Insel per Fähre, die mit einer unglaublichen Geschwindigkeit über die Wellen schießt, direkt an den großen Frachtern vorbei. Nach diesem Ausflug musste ich mein „Versprechen“ an Alex einlösen, mal die Chungking Mansions genauer unter die Lupe zu nehmen und so nahmen wir den einen 8 Personen Aufzug, welcher für den Transport von 1000 Menschen zuständig ist zu dem Stockwerk, wo ich letztes Jahr übernachtet hab. Sichtlich geschockt wollte Alex dann nur noch raus und als wir im Treppenhaus einen völlig zerstörten Junkie trafen, war die Abreise auf dem Mansions angesagt. Doch wohin? Nachdem das ja unser erster Tag in Fernost war wollten wir ihn ganz Stilecht mit einer Massage beenden. Dumm nur, dass wir in Mongkok waren, wo es nicht nur extrem heruntergekommen ist, sondern auch viele „illegale“ Sachen ablaufen. So war dann auch das erste Massagestudio ein Puff, wo wir abgewiesen wurden, sobald die Dame am Eingang Alex gesehen hat. Beim zweiten hatten wir mehr Glück und so ließen wir es uns vor dem allabendlichen Konzert aus Geschreie und Karaoke nochmal richtig gut gehen. Chabos wissen, wer der babo is! Tempel Fischerdorf Alex on the flight Unser Flieger nach Beijing