Berichte von 03/2013

Auf holprigen Straßen

Mittwoch, 06.03.2013

Flo:

Nachdem wir für ein bisschen Luxus unsere komplette Planung hingeschmissen haben stellte sich nun auch die Frage: Wie kommen wir zur nächsten Stadt? Nun ja, die Frage hat sich für mich eigentlich nur so lang gestellt, bis ich die Zugverbindung gesehen habe. Da wir ja nur einen Tag Zeit hatten zu planen, schaute ich nur schnell auf meiner Stammplanungswebsite, welcher Bus uns denn zum benachbarten Flughafen bringt und vertraute einfach, dass man einen Internationalen Flughafen, der als Ausweichflughafen für Olympia gedient hat, schon irgendwie erkennen wird. Doch wieder einmal merkten wir, als wir im Bus in einem Akt der Unmöglichkeit zwischen zwei Reissäcken gequetscht saßen, dass in China wirklich nichts unmöglich ist! Denn zwei junge Chinesen meinten, wir müssen jetzt aussteigen, wenn wir zum Airport wollen. Also stiegen wir aus und standen irgendwo im nirgendwo auf einer Bundesstraße. Nach dem Befragen diverser Chinesen, es ist nicht wirklich befragen, man hält ihnen einfach nur das Schriftzeichen für Airport unter die Nase und hofft, sie verstehen, kamen wir dann nach einem 2km Marsch durch ein kleines Dorf am Airport an und konnten in die Kulturhauptstadt Xi'An fliegen.

Nachdem wir anstatt 1h20min nur 55min in der Luft waren, beschlich mich das Gefühl, dass es in China womöglich noch ein anderes Xi'An gibt oder dass man uns in das falsche Flugzeug gelotst hat, denn man kann doch keine Strecke von über 1000km unter 1h fliegen? Also schnell aus dem Flieger raus, GPS an und nach einem Satelliten gesucht. Tja, selbst GPS scheint noch nicht bis Nordostchina gelangt zu sein, denn es war unmöglich, auch nur ansatzweise einen Standort herauszufinden. Doch die Erleichterung kam, als das erste Plakat mit der Terrakotta Armee auftauchte und uns der Shuttle Bus bis in die historische Innenstadt unseres Xi'Ans fuhr. Da in einer Altstadt in China englische Straßenschilder eher unüblich sind und es schon recht spät war, fragten wir einfach einen Passanten nach dem Weg. Doch anstatt uns einfach in die Richtung des Hostels zu leiten, ich wusste, es kann sich nur um 500 Meter handeln, rief er eine Motorradrikscha und es ging mit allem Gepäck auf eine rasante, bestimmt 5km lange Fahrt durch die Altstadt, bis der Fahrer nach einigen Runden entschlossen hat, alle Einbahnstraßen als Falschfahrer passiert zu haben, und uns verständlich machte, dass er im Grunde keine Ahnung hätte, wo unser Hostel ist. Also das Hostel angerufen und, oh Wunder über Wunder, fuhren wir in eine Querstraße unseres Startpunktes und erreichten unsere Bleibe.

Am ersten Tag in Xi'An wollten wir uns gleich das Highlight der Stadt anschauen, das Yangling Mausoleum. Es ist im Prinzip eine zweite Terrakotta Armee, deutlich besser in Takt und menschenleer. Die erste Schwierigkeit des Tages war, den einzigen Bus (einen Touristenbus) zu finden. Da dieser überhaupt nicht in die richtige Richtung angeschrieben war, nahmen wir einfach den Bus in die andere Richtung zur Endhaltestelle. Blöd nur, wenn der Bus nur jede Stunde abfährt und so konnten wir den restlichen Vormittag mit Warten verbringen. Doch dieses Warten hat sich gelohnt. Endlich an dem Mausoleum angekommen, waren höchstens 10 Touristen in der riesigen Parkanlage zu sehen und wir konnten völlig für und alleine über gläserne Brücken die Terrakotta Armee bewundern. Am Abend und wieder zurück im Hostel ließen wir uns auf eine Free Tour ein, die von der Besitzerin des Hostels schon seit unserer Ankunft mit allem Nachdruck beworben wurde. Doch die Free Tour hatte es in sich. Sofort waren wir im Gespräch mit einer Schottin und einem Ehepaar, dessen Herkunft mir zu komplex war um es mir zu merken, und wir schauten uns alle ein riesiges Wasserspiel an. Dieses war mit Musik begleitet und die Fontänen erstreckten sich auf einem Areal von mindestens 10x200 Metern. Nach diesem spektakulären, chinese-sized Schauspiel zogen wir noch mit unseren, sehr verrückten, Begleitern durch die Stadt und was entdeckte die Schottin? Ein Indoor-Boxauto Stand! Da Xi'An bekannter weiße in China ist und nicht in Europa, scheint es auch so etwas wie Sicherheitsvorkehrungen bei Boxautos nicht zu geben und jeder Zusammenstoß fühlte sich an, wie ein mittelschwerer Frontalcrash mit dem Auto. Doch spaßig war es trotz allem und irgendwie überlebt man es dann doch.

Hier ein Video von mir von den Wasserspielen:

Der zweite Tag war der Tag der echten Terrakotta Armee, und so machten wir uns früh morgens mit dem normalen Linienbus auf den 40km langen Weg nach Lintong. Für mich persönlich war die Terrakotta Armee gerade im Vergleich zum Yangling Mausoleum eine echte Enttäuschung. Das meistempfohlene China-Sight sind unendlich viele Scherben und einige Tausend zusammen gesetzte Krieger. An sich war das Ganze schon imposant, aber nichts, was wirklich umhaut.

Das beste kommt aber immer zum Schluss und so entschieden wir, am letzten Tag, bevor wir und in die Tropen fliegen lassen, nochmal ein bisschen Sport zu machen und mieteten uns ein Tandem, mit dem wir auf der berühmten Mauer die Altstadt umrundeten. Auf den 14km auf der Mauer, die laut offiziellen Kanälen ideal zum Fahrradfahren geeignet ist, gab es maximal ein paar hundert Meter ohne zentimetertiefe Fugen zwischen den Pflastersteinen. Aber ganz nach dem Motto no risk, no fun schossen wir (oder vielmehr ich, da ich im Besitz von Lenker und Bremsen war) um die Altstadt.

Der Weg zum Flughafen Von hier kam man Die Figuren im Mausoleum Man fühlte sich wie in einer anderen Welt viele Tiere ein alter Turm Eine Kaufhausdecke mit Filmen Wir unter der Decke Die größte Pagode Xi'Ans, direkt an den Wasserspielen Die Wasserspiele Die erste Halle der Terrakotta Armee Und die volle Halle! Alex mit den Kriegern Dann lieber scharfe Krieger als nen scharfen Flo Alle Krieger sind individuell, keiner gleicht dem anderen Ein Soldat von nahem sogar Pferde waren dabei Der Drum Tower Der Bell Tower am Abend

Luxusresort zum Nulltarif

Freitag, 01.03.2013

Alex: Datong sollte die Stadt werden, in der wir uns entspannen können, weil wir wenig Programm hatten. Deshalb hatten wir ein Vier-Sterne-Hotel gebucht, das pro Nacht und Person mit einem unglaublichen Preis von nur 18€ zu Buche schlug.

Der Anfang war aber eher turbulent: Wir fuhren mit dem Zug nach Beijing, um dort vom Militärflughafen aus zu starten. Allein der Transit zum Flughafen war ein Abenteuer. Er liegt so weit außerhalb, dass keine Metro hinfährt. Also fuhren wir zu der Metrostation, die am nahesten zum Flughafen liegt und wollten von dort ein Taxi nehmen. An der Haltestelle warteten statt Taxis dutzende private Fahrer, die (illegaler Weise) ihre Fahrdienste anboten. Da alle vorbeifahrenden Taxis besetzt waren, ließen wir uns in einem kleinen Auto zum Flughafen bringen. Es war eher ein Flughäfchen, ein Terminal und nur einige Flüge am Tag, die jedoch zu einem Großteil gestrichen wurden oder Verspätung hatten. So war es leider nicht verwundernswert, dass wir über 1,5 Stunden zu spät starteten und erst kurz vor Mitternacht in Datong landeten (als einziger Flug des Tages, am Rande bemerkt). Zum Glück fuhr dann auch der Shuttlebus in die Innenstadt, von dessen Endhaltestelle wir ein Taxi zum Hotel nahmen. Ziemlich kaputt kamen wir dort an, checkten ein und waren schlagartig wieder wach, als wir in unser Zimmer kamen! Es übertraf all unsere Erwartungen. Im modernen Bad gab es eine große Dusche und eine Badewanne. Die beiden Betten waren riesig, das Zimmer insgesamt sehr geräumig mit Schreibtisch und Liegesessel. So ein Luxus hatten wir als Rucksack-Reisende uns nicht zu träumen gewagt. Und wurden auch einige Extras bereitgestellt, wie zum Beispiel Tee, ein Föhn, zwei Flaschen Trinkwasser, drei Handtücher pro Person, ein Internetkabel und noch einiges mehr.
Bei der Übernachtung war ein Frühstück dabei, das umfangreicher kaum hätte sein können. Vorab ist zu sagen, dass die Chinesen warm frühstücken, vergleichbar mit Speisen, die wir zu Mittag essen würden. Von diesen wurden über zehn verschiedene angeboten. Daneben einige Brotsorten, von denen die meisten, wie in China üblich, süß waren. Außerdem mehrere Salate und frische Wassermelone und anderes Obst. Zu trinken gab es Säfte, gesüßte Milch, Softdrinks oder frisch gebrühten Kaffee.

Nachdem wir vom Preis-Leistungs-Verhältnis so überwältigt waren, beschlossen wir, unseren Aufenthalt in Datong um einen Tag und eine Nacht zu verlängern und dafür nicht in unsere eigentlich nächste Stadt zu reisen, wo wir zwei Nächte hintereinander im Nachtzug verbracht hätten.

Etwas ärgerlich war es, dass wir unsere Zugtickets nicht umtauschen konnten, aber das war es uns für eine längere Zeit in dieser luxuriösen Umgebung wert. 

Das mit abstand unerwartetste in China: eine Badewanne! Nein, das sind keine 2 Doppelbetten! Das sind Einzelbetten!